7 Gefahren auf Anwenderseite

7.1 E-Mail-Viren - gibt es sowas?

Neulinge im Netz werden öfters erschreckt durch die Meldung, daß man keinesfalls eine E-Mail mit dem Betreff "Good Times" (oder auch einem anderen Subject) lesen soll, da sonst ein Virusprogramm auf den Rechner gelangt. Das stimmt natürlich nicht. Durch alleiniges Lesen einer E-Mail kann meist nichts passieren. Leider sind einige Betriebssysteme und E-Mail-Programme inziwischen so angreifbar geworden, daß schon beim Öffen der E-Mail ein in der Mail enthaltener Programmcode zur Ausführung gelangt. Da hilft es nur, auf andere Programme auszuweichen.
Anders verhält es sich, wenn diese E-Mail eine angehängte Datei ("Attachment") mit sich führt. Diese Datei kann sehr wohl Gefahren mit sich bringen:
  • Wenn es sich um eine ausführbares Programm handelt, besteht die Möglichkeit, daß dieses Programm Viren enthält - nicht anders, als wenn Sie das Programm auf Diskette erhalten hätten.
  • Bei Winword-Dokumenten können sich im Dokumen sogenannte "Makroviren" verbergen. Das sind Word-Makros mit schädlichen Funktionen, die gegebenenfalls automatisch aktiviert werden, wenn Sie das Dokument mit Winword öffnen.
    Zu dieser Gruppe gehört z. B. auch das Melissa-Virus, das sich die Adressendatenbank von Outlook schnappt und sich selbst an alle dort aufgeführten Adressen schicht. Da nun Sie als Absender in den Mails stehen, bekomen Sie wohlmöglich auch noch den Zorn der Empfänger ab. Melissa war erkennbar durch den Registry-Eintrag "HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Office\Melissa?".
    Melissa und ähnliche Viren führen dazu, daß man nicht nur Mails von unbekannten Absendern mißtrauen muß, sondern auch solchen von Bekannten.
    Ähnliches gilt auch für andere Anwendung mit Skriptsprache, z. B. Excel. Die Problematik bei Microsoft besteht unter anderem darin, daß beispielsweise der Internet-Explorer andere Microsoft-Applikationen grundsätzlich als vertrauenswürdig betrachtet und daher auch keine Warnung erfolgt.
  • Dateien im PDF-Format können auch gefährliche Inhalte haben. Der Acrobat-Reader zum Betrachten der Dokumente kann auch beliebige Kommandos auf dem PC starten. Diese Kommandos können sich hinter harmlosen Buttons verbergen (z. B. "Zurück zum Inhalt").
Es gibt noch ein paar andere Sorten von E-Mail, die zwar nicht gefährlich, aber doch lästig sind. Wie bei der Briefpost kommen mit der Zeit auch Werbe-E-Mails, welche die Mailbox verstopfen. Die zweite Sorte sind Kettenbriefe wie man sie auch seit vielen Jahren kennt. Meist tragen sie ein Subject der Art "MAKE MONEY FAST". Schließlich geistern seit jahrzehnten herzerweichende E-Mails durch das Netz, die von einem krebskranken Jungen erzählen (z. B. Craig Shergold), der gerne noch ins Guinness-Buch der Rekorde kommen möchte und dem man deshalb eine Postkarte oder Visitenkarte schicken soll. Tun Sie das nicht, denn entweder ist der Kleine schon 30 - 40 Jahre alt oder längst verstorben.

Wie war das mit "I Love You"?

  • Eine Textdatei mit einigen wenigen Ablaufbefehlen für die Programmiersprache Visual Basic erschütterte nachhaltig das Vertrauen in die E-Mail als Kommunikationsmittel. Die verhängnisvolle Botschaft war dabei Virus, Wurm und Trojanisches Pferd in einem.
  • Das Virus des "I Love You"-Briefes löschte Bild- und Tondateien in den Formaten .jpg und .mp3 und verbarg Videodateien im MPEG-Format. Aber nur bei Menschen, die ein bestimmtes E-Mail-Programm von Microsoft benutzten.
  • Das Trojanische Pferd des "I Love You"-Briefes versuchte, eine Web-Seite aufzurufen und von ihr die Datei winbugsfix.exe ins heimische System zu kopieren. Das war ein Programm, das Passworteingaben und andere Einstellungen des Internet Connection Wizard von Microsoft sowie alle Internet-Adressen interner Server an einen Empfänger auf den Philippinen schicken wollte.
  • Der Wurm im "I Love You"-Brief schickte über die E-Mail-Software Microsoft Outlook an jeden Eintrag im Adressbuch eine Kopie seiner selbst. Ein anderer Teil des Skriptes hatte es auf die privaten Besucher von Chatforen abgesehen. Jeder, die die Chatsoftware mIRC benutze, bekam automatisch auch den "I love You"-Brief.
Zeitungen und Multimedia-Firmen verloren ihre Bild-Datenbanken. Warum? Gab es keine Datensicherung? Kein Backup? Tatsächlich dokumentiert die schnelle Verbreitung des "I Love You"-Virus ein derartiges Maß an fehlendem Sicherheitsbewußtsein selbst in großen Firmen und Institutionen, dass die Experten nachgerade verzweifeln.

Die Links innerhalb des Scripts offenbaren drei Pseudonyme von Usern, zum Beispiel: http://www.skyinet.net/~koichi. Auf deren Homepage lag das Programm, das "I Love You" zur Datenspionage verwenden wollte. Seinen Provider verrät uns zum Beispiel die Datenbank Allwhois. Man muß nur skyinet.net in das Suchfenster eingeben und erhält Namen, Adresse und Telefonnummer: Sky Internet,Inc., L/G Victoria I Bldg. 1670 Quezon Ave, Quezon, Ph 1103 8000, +63 2 411-2005. So kommt man auch sicher an deren Kunden mit dem Pseudonym "koichi".

Was kommt sonst noch mit der E-Mail

Die meisten Mail-Programme werfen sofort den Web-Browser an, wenn sich HTML-codierter Text in der E-Mail befindet. Leider ist es eine Unsitte, dass viele Programme als Voreinstellung den Versand von HTML-codierten Dokumenten haben. Damit kann man sich neben den oben genannten Viren auch beispielsweise das folgende einhandeln (original so bei mir eingetroffen):
<BODY>
<P><FONT Color="#100001" FACE="Verdana" SIZE="2">
<B>Hey Du</B><BR><BR>
Am besten sofort anrufen:
<BR>
<B>Tel 0067.710.523
</B><BR>
Total affig!
<BR><BR>
EineÜberraschung von ??
</FONT>
<img src="http://lll.0lo.org/l0/RpC.ddd?a=plate@fhm.edu&b=0067SS" 
  width="0" height="0" border="0">
</P></BODY>
Sobald die E-Mail geöffnet wird, ruft der Bilder-Link (<img src=...) ein Programm namen RpC.ddd auf und gibt ihm die beiden Werte von a (plate@fhm.edu) und b (0067SS) mit. Damit weiß das System des Spammers nicht nur, daß die E-Mail-Adresse gültig ist, sondern sogar wann und von welchem Rechner (IP-Nummer) aus die E-Mail gelesen wurde.

7.2 Was ist eigentlich Spam? Und was bedeutet ECP, EMP, UBE, UCE?

Zunächst eine knappe Erläterung der Abkürzungen:
  • Spam: Belästigende Massennachricht (Mail und News)
  • ECP: Massen-Crossposting (News)
  • EMP: Massenposting aus vielen identischen Einzelpostings bestehend (News)

Wird ein Artikel gleichlautend in übermäßig viele Newsgroups gepostet oder crosspostet, so spricht man im ersten Falle von Spam oder EMP (excessive multiple posting), im zweiten von Velveeta bzw. ECP (excessive cross-posting).

SPAM steht für "Spiced Pork and hAM(*)", so eine Art Preßfleisch, das in Amerika verkauft wird (sieht aus wie Katzenfutter). Es gibt einen Sketch aus Monty Python's Flying Circus, in dem ein Paar in einem Restaurant die Speisekarte vom Kellner vorgelesen bekommt und in jedem Gericht ist SPAM drin, zum Teil sogar mehrfach. Auch in dem Restaurant sitzt eine Gruppe Wikinger, die am Ende des Sketches 'Lovely Spam, wonderful Spam!' singen. Insgesamt kommt in dem Sketch das Wort SPAM ca. 120 mal vor.

(*) Manche Leute behaupten, es steht für Synthetically Produced Artificial Meat.

Bei E-Mail spricht man von:

  • UBE: Unerwünschte Massennachricht (unsolicited bulk E-Mail)
  • UCE: Unerwünschte Werbenachricht (unsolicited commercial E-Mail)

Da UCE zunehmend lästiger wird, sind in letzter Zeit einige Leute auf die Idee gekommen, ihre News-Artikel unter einer falschen Adresse zu posten. Im Body des Artikels finden sich dann meistens Hinweise auf eine gültige Adresse. Diese Methode, sich gegen UCE zu wehren, ist jedoch problematisch. Wird der Domain-Teil der Adresse verändert, kann es passieren, daß diese Adresse trotzdem gültig ist (sogar 'xxx.de', 'nospam.de' oder 'deletethis.de' sind beim DE-NIC registriert. Wird nur der Namens-Teil der Adresse verändert, erhält zumindest der Postmaster einer Fehlermeldung per Mail. Die UCE-Versender bekommen von Fehlermeldungen/Bounces dagegen in der Regel nichts mit, da sie fast nie unter einer gültigen E-Mail-Adresse ihre UCE versenden bzw. keine gültige Rücksendeadresse angegeben haben.

Sinnvoller ist es deshalb, das Problem UCE an der Wurzel zu packen. Dies kann durch das Einrichten von Teergruben oder durch das Filtern von bekannten Spammer-Domains geschehen. Weiter Informationen gibt es bei:

  • http://www.antispam.de http://www.de.spam.abuse.net/ http://www.iks-jena.de/mitarb/lutz/usenet/teergrube.html http://www.stud.uni-hannover.de/news/de.admin.net-abuse.mail.html

  • Spammer wollen mit einfachsten Mitteln Geld verdienen!
    Entweder locken Spammer ihre Opfer mit SPAM-Methoden auf Webseiten, um dort ein bestimmtes Produkt zu verkaufen (z.B. über einen Link zu einem kostenpflichtigen Porno-Angebot oder zu den gefürchteten 0190-Dialern). Oder sie versuchen, eine Website bekannt zu machen, die sich über Werbung finanziert, und auf möglichst viele Besucher angewiesen ist.
  • Spammer versuchen ihren Empfängern zu schaden
    Manchmal versuchen Spammer einfach nur, möglichst viel Datenverkehr zu erzeugen, um E-Mail-Server lahmzulegen, und die Ressourcen von Konkurrenten zu verschwenden. Rechtlich gesehen ist das Versenden von SPAM in den EU-Staaten eine kriminelle Handlung! Die augenblickliche Gesetzeslage sieht zwar theoretisch einen rechtlichen Schutz für die Opfer vor, jedoch dürfte es praktisch äusserst schwierig sein, Spammern bis in die rechtsfreien Untiefen des Internets zu folgen... (in der Regel versuchen Spammer mit effektiven Mittel ihre Herkunft zu verschleiern...)

Die Tricks der Spammer

Um Ihre Opfer zu erreichen, brauchen die Spammer zuerst eine gültige E-Mail-Adresse, an die sie auf verschiedenen Wegen gelangen:

  • Der E-Mail Anbieter (z.B. ein Anbieter kostenloser E-Mail-Zugänge) verkauft die E-Mail-Adressen der Kunden weiter. Selbst wenn der E-Mail-Anbieter im Grunde seriös ist, kann es sein, dass er die E-Mail-Adresse des Opfers an einen vermeintlich seriösen Werbekunden weiterverkauft, dieser die Adressen verwendet aber zusätzlich an unseriöse Anbieter weiterverkauft.
  • Der Spammer findet die E-Mail-Adresse über spezielle Suchmaschinen, die das Internet systematisch nach E-Mail-Adressen durchsuchen.
  • Durch Ausprobieren: Der Spammer spielt alle möglichen Empfängernamen bei einer Domain durch. Wenn der Spammer systematisch gebräuchliche Namen aus einem Wörterbuch vor die Domainnamen größerer Websites setzt, z.B. john@gmx.de, meier@firma.de, usw., ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass er mit einem Teil dieser Mails einen Empfänger erreicht.

    Wenn die Mail an einen ungültigen Empfänger gerichtet ist, wird gewöhnlich eine Fehlermeldung an den Absender (in diesem Fall den Spammer) zurückgeschickt, und der Spammer kann die nächste Möglichkeit ausprobieren. Wenn die Mail einen gültigen Empfänger erreicht, und keine Fehlermeldung zurückkommt, weiß der Spammer, dass die Adresse existiert, und speichert diese in seiner "Opfer-Datenbank"

    In der Regel wird der Spammer aber versuchen seine Absenderadresse zu verschleiern, bzw. einfach eine ungültige Absenderadresse anzugeben, so dass er auf direktem Weg keine Antwort erhalten kann. Um trotzdem eine Bestätigung über die Existenz des Opfers zu erhalten, benutzt er einen einfachen Trick:

    Er merkt sich einfach zu jeder versendeten E-Mail einen systematisch erzeugten Schlüssel, z.B. eine lange Zufallszahl. Diese Zahl wird in einen gewöhnlichen Hyperlink eingebaut, z.B:

    ...
    
    Um sich aus dieser Mailingliste wieder auszutragen klicken Sie auf:
     
    http://www.firma.de/reply.cgi?id=2374654000332
    

    Wenn der naive Empfänger jetzt auf diesen Link klickt, oder die Nachricht zurückschickt, braucht das Programm auf dem Webserver nur noch den übergebenen Schlüssel mit den gemerkten Schlüsseln zu vergleichen, und kennt wieder eine gültige Opferadresse mehr.

    Doch selbst, wenn man nicht auf die Links in der SPAM-Mail klickt, kann er Spammer z.B. bei HTML-Mails den Link als externe Ressource verlinken (Bilder, Töne, Flash). Die E-Mail enthält dann einen Hyper-Link in der Art

     
    
    Dieser Link wird vom Mail-Programm normalerweise als Link auf ein Bild interpretiert. Es wird daher versuchen, das Bild von der angegebenen Adresse zu laden. Und dort freut sich schon der Webserver des Spammers auf die ID des Besuchers.

    Selbstverständlich werden die Netzwerkeffekte des Internets auch von den Spammern genutzt, so dass die Datenbankbestände vieler einzelner Spammer zusammengefasst und auf CDs an andere Spammer weiterverkauft werden (die Angebote für diese CDs werden teilweise als SPAM verschickt).

    7.3 Cookies

    Cookies sind kleine Informationseinheiten, die beim Besuch einer Website zunächst im Arbeitsspeicher des heimischen Computers gespeichert werden. Unter Umständen werden diese Daten nach Verlassen des Webservers in Form einer Textdatei auf die lokale Festplatte geschrieben.

    Ein Cookie besteht aus einem Namen, einem Wert (Zeichenkette) und einem URL. Zudem besitzt ein Cookie eine Lebensdauer. Wird der Ausflug ins Netz beendet und der Browser geschlossen, werden alle Cookies, deren Lebensdauer noch nicht abgelaufen ist, in einer Datei gespeichert. Man spricht dann von 'persistenten Cookies'. Zukünftig läßt sich dann mühelos verfolgen, wie oft genau dieser Anwender wiederkommt und was er tut.

    Ursprünglich wurden von Netscape die Cookies zur Erleichterung für den Anwender entwickelt. Sie sollten persönliche Informationen enthalten, die der Anwender beim nächsten Besuch eines Online-Angebots nicht mehr eingeben mußte, z. B. für den Zugriff auf Angebote, die eine Zugangskennung erfordern. Eine andere Anwendung wäre ein 'Einkaufskorb'. Da jeder Seitenabruf einen abgeschlossenen Kommunikationsvorgang darstellt, kann der Server nicht speichern, welche Waren ein Kunde schon in seinen Korb gelegt hat. Cookies bieten hier die Möglichkeit den Inhalt des Einkaufskorbes beim Kunden zu speichern, bis die abschließende Bestellung durch eine Bestätigung erfolgt. Normalerweise lassen sich Cookies auch keiner spezifischen Identitäten zuordnen, sofern der Besucher nicht woanders seine Identität preisgibt.

    Unternehmen können mit Hilfe von Cookies Abrufprofile erstellen z. B. für verläßliche Abrufprofile für Reichweitenuntersuchungen. Schließlich will man wissen, welche Seiten wie oft abgerufen werden. Daraus lassen sich u. a. Schlußfolgerungen für die weitere Gestaltung einer Website ziehen. Trotz zahlreicher Ansätze gibt es bislang noch kein genormtes Verfahren zur Bildung von Abrufprofilen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit zur Bildung von Abrufprofilen jedoch auch ohne Cookies - durch die Auswertung von Logbüchern, z. B. mit entsprechenden Monitoring-Tools.

    Problematisch wird es, wenn Cookies mit langer Lebensdauer eingesetzt werden. Durch persistente Cookies ist es möglich, einen Benutzer über mehrere Sessions hinweg zu identifizieren. Dadurch erhöht sich die Informationsmenge und die Zuordnung einer Personenidentität vereinfacht sich. Das ist ganz ohne Cookies nicht möglich. Mittlerweile gibt es eine Reihe von Shareware-Tools, mit denen sich Cookies auf dem Computer identifizieren und löschen lassen. Normalerweise befindet sich im Verzeichnisbaum des Browsers irgendwo eine Datei namens 'cookies.txt'. Auf UNIX-Systemen genügt es, die Leseberechtigung der Datei wegzunehmen. Auf Windows-Rechnern kann man den Inhalt der Datei löschen und sie dann auf 'Read-Only' zu setzen. Letztendlich sind Cookies aber relativ harmlos.

    Anbieter, die in Ihrem WWW-Angebot Cookies verwenden, sollten einfach vorher auf deren Anwendung und den Zweck hinweisen. Dann weiß nämlich der Websurfer woran er ist und wird auch weniger Vorbehalte gegen die Cookies haben.

    Es gibt also zwei Sorten von Cookies: Die mit einer Zeitangabe (lifetime) und solche ohne. Cookies mit einer Zeitangabe haben eine Lebensdauer bis zum Ablauf des Verfallsdatum. Sie werden in der cookies.txt gespeichert, wenn der Browser beendet wird, um dann beim nächsten Neustart erneut gelesen zu werden. Cookies ohne Zeitangabe haben eine Lebensdauer, die mit der Lebensdauer des Browserprozesses identisch ist. Sie werden niemals in der cookies.txt gespeichert und sie haben kein festes Ablaufdatum.

    Wenn man die cookies.txt schreibschützt oder nach /dev/null linkt, verhindert man die Speicherung von Cookies mit Lebensdauer. Man behält also Warenkorbfunktionalität, weil man "Session-Cookies" weiter akzeptiert und zurücksendet. Man verliert aber Autologin-Cookies und GUID-Cookies.

    Wenn man stattdessen Cookies im Browser abschaltet, verliert man alle Cookie-Funktionalität. Warenkörbe, die sich bei der Korrelation von Seiten ausschliesslich auf Cookies verlassen, funktionieren dann nicht mehr. Ausgefeiltere Systeme lassen sich auch davon nicht beirren, sondern schalten transparent auf eine Weitergabe der Session-ID in der URL um.

    In dem Cookie selbst sind keine personenbezogenen Daten gespeichert. Es ist nicht der Cookie oder sein Wert, der gefährlich ist oder der geschützt werden muss. Der Cookie selbst enthält nur irgendeine zufällige, aber eindeutige Nummer. Die personenbezogenen Daten sind in einer Datenbank auf dem Webserver gespeichert und verlassen dieses System auch niemals; jedenfalls nicht in Richtung Browser des Anwenders. Man selbst bekommst also auch niemals zu sehen, was genau in der Anwendung auf dem Webserver gespeichert ist, man kann diese Daten mit der ID nur referenzieren.

    Cookies sind nur eine von mehreren Möglichkeiten, Browser so zu markieren, daß eine Folge von Zugriffen unterscheidbar von allen anderen konkurrenten Folgen wird. Bekannt sind die folgenden drei Verfahren:

    • Cookies:
      GET /shop/index.php3
      Cookie: ID=3D17
      
    • GET-Parameter in der URL:
      GET /shop/index.php3?ID=3D17
      
    • PATH_INFO-Komponenten in der URL oder an anderen Stellen im URL-String:
      GET /shop/index.php3/id/17
      
    Cookies abzuschalten nützt also exakt nichts, wenn man die Erfassung von Sessiondaten verhindern möchte, da gute Installationen dann automatisch auf ein Fallback mit Hilfe eines anderen Verfahrens zurück schaltet. Diese Verfahren sind fragiler als Cookies; Cookies sind genau für diese Aufgabe (eine Session-ID zur Referenzierung von Session-Datensätzen in einer Datenbank transportieren) geschaffen worden.

    Schlechte Webshops funktionieren mit abgeschalteten Cookies gar nicht mehr. Man beraubt sich also im Namen einer nicht funktionierenden Methode zur Wahrung der eigenen Privacy der Möglichkeiten, im Internet Einkaufen zu gehen oder komplexere Webanwendungen zu nutzen (es gibt schliesslich noch mehr sinnvolle Anwendungen für Session-Variablen als Warenkörbe).

    Seine Privacy schützt man also nicht durch das Abschalten von Cookies: Zum einen können Gute wie Böse mit anderen Verfahren als Cookies weiter korrelieren, zum anderen macht man sich das Leben nur unnötig unbequem. Seine Privacy schützt man, indem man mit den Leuten, die ungewollt Daten über einen Speichern nicht mehr redet. Das bedeutet, man installiert sich einen Junkbuster oder Webwasher als lokalen Proxy und erdet dort alle Zugriffe, die in Richtung von Systemen gehen, die man als Rogue erachtet, z.B. Doubleclick, Adfly, Flycast und wie sie alle heissen. (Blocken von allen Zugriffen auf *doubleclick* und so weiter) Man kann ausserdem sein System so konfigurieren, daß es Set-Cookies, die nicht an HTML-Dateien hängen, automatisch ausfiltert und daß es vorhandene Cookies ausfiltert, wenn diese an Requests von Bilddateien hängen. (Ausfiltern von Set-Cookie-Zeilen in allen Responses, wenn der Content-Type nicht text/html ist schaltet ankommende Cookies an GIF-Bildern und dergleichen aus.

    Weitere Informationen über Cookies findet man unter

      http://www.cookiecentral.com http://www.netscape.com/newsref/std/cookie_spec.html

    7.4 Active X

    Microsoft will mit eigener Internet-Technologie Standards setzen und hat, gewissermaßen als Konkurrent zu Java, seine Active-X-Technik entwickelt. Active-X ist eine Microsoft-Technik zur Erzeugung interaktiver Web-Seiten mithilfe von Controls, Skripts und Softwarepaketen, wie zum Beispiel Textverarbeitungen und Tabellenkalkulationen.

    Der Sinn von Active-X ist aus Sicht von Microsoft:

    • Applikationen in Web-Browser einzubinden
    • Den Web-Browser zur Schaltzentrale für Internet und Intranet zu machen

    Ein Active-X-Control ist ein kleines Windows-Programm, das sich nur mit Hilfe eines Web-Browsers ausführen läßt. Wenn Sie im Internet auf eine mit einem Active-X-Control ausgestattete Seite kommen, werden nicht nur Text und bunte Bilder angezeigt, sondern auch ein Programm auf Ihren Rechner geladen und ausgeführt. Im ungünstigsten Fall merken Sie gar nicht, daß ein Active-X-Control in eine Web-Seite eingebunden ist und automatisch ausgeführt wird, während Sie die Seite anschauen und sich in trügerischer Sicherheit wähnen. Die Active-X-Technologie besteht aus folgenden Komponenten:

    • Active-X-Controls
    • Active-X-Scripting
    • Active-X-Dokumente
    • Active-X-Conferencing
    • ActiveMovie

    Active-X-Controls

    sind Elemente wie Schaltflächen, Listboxen, Bildlaufleisten usw., die auf Web-Seiten plaziert und dort benutzt werden können. Dadurch wird ein hoher Grad an Interaktion mit dem Anwender erreicht.

    Active-X-Scripting

    Active-X-Controls werden mit sogenannten Skripts gesteuert. Skripts sind Programme, die in HTML-Seiten eingebaut und somit für jedermann lesbar sind. Skriptsprachen sindVisual-Basic-Script (VB-Script) und Java-Script.

    Active-X-Dokumente

    Sie funktionieren wie OLE-Verbunddokumente. Ein Browser (Container) kann zum Beispiel ein Excel-Sheet anzeigen (Excel ist dann der Server), ohne das man den Browser verlassen muß - sofern man Excel hat. Man kann so Dokumente ganz verschiedener Formate in das Netz posten und jeder, der auch den entsprechenden Server hat, kann sie betrachten. Damit wird aber der Nutzerkreis aber auf die Anwender von Microsoft-Produkten eingeschränkt und die gemeinsame Sprache des WWW, HTML, ausgegrenzt.

    Active-X-Conferencing

    Eine Kommunikations-Technik, die noch in der Entwicklung ist. Active-X-Conferencing erlaubt die Anwendung einer Software, die auf einem einzigen Rechner läuft, durch mehrere Personen gleichzeitig, die über ein Netzwerk verbunden sind. Dieses Netzwerk kann das Internet aber auch das Intranet sein. Damit sich die teilnehmenden Personen auch von "Mensch zu Mensch" unterhalten können, während sie gemeinsam eine Software steuern, gibt es eine Voice-Verbindung. Diese Voice-Verbindung funktioniert bisher aber nur zwischen zwei Teilnehmern. Für die Zukunft ist auch eine Video-Verbindung geplant.

    ActiveMovie

    Zur Übertragung von Audio und Video-Daten über Netze gibt ist ActiveMovie. ActiveMovie soll ermöglichen, daß die Audio- und Video-Daten nicht erst komplett auf den eigenen Rechner geladen werden müssen bevor man sie abspielen kann (was unter Umständen ziemlich lange dauern kann), sondern die Übertragung erfolgt in Echtzeit. Voraussetzung ist natürlich, daß die Verbindung schnell genug ist.

    Hinter einem Active-X-Control verbirgt sich also nichts anderes als ein normales Windows-Programm. Es kann also alles tun, was auch jedes andere Windows-Programm tun kann: Daten von Ihrer Festplatte übers Netz versenden, Viren installieren - oder einfach nur die Festplatte formatieren. Active-X-Programme sind also ein Risikofaktor und sollten nur unter bestimmten Voraussetzungen eingesetzt werden.
    Der Chaos Computer Club demonstrierte der Öffentlichkeit die Risiken von Active X: Die Hacker programmierten ein Active-X-Control, das der Finanz-Software Quicken einen Überweisungsauftrag unterjubelte. Der Auftrag wurde so gespeichert, daß er beim nächsten T-Online-Connect automatisch ausgeführt würde.
    Active-X-Programme laufen derzeit nur mit dem Microsoft Internet-Explorer ab Version 3. Damit Active-X-Controls mit einem Netscape-Browser funktionieren, muß man ein spezielles Active-X-Plug-in installieren.

    Beim Installieren von Active-X-Komponenten wird manchmal ein 'Zertifikat' angezeigt. Wer Active-X-Programme schreibt, kann sich ein solches 'Zertifikat' besorgen, das nach dem Laden der Webseite angezeigt wird. Dieses Zertifikat soll garantieren, daß das Active-X-Control wirklich im Originalzustand vorliegt. Gewährleistet wird das durch eine verschlüsselte Quersumme, die beim Herausgeber des Zertifikats hinterlegt ist und die mit der des Programms verglichen wird. Ein gültiges Zertifikat heißt jedoch keinesfalls, daß Sie einem Active-X-Control blind vertrauen können. Der bisher einzige Zertifizierer, Verisign Commercial Software Publishers CA, prüft nicht, was ein Active-X-Control auf einem Rechner anstellt, sondern nur, ob das Programm nach der Zertifizierung verändert wurde. Nachdem jeder sein Active-X-Control zertifizieren lassen kann, besteht auch die Möglichkeit, daß gefährliche oder schädliche ActiveX-Controls ein Zertifikat bekommen. Dabei muß nicht einmal böse Absicht des Programmierers im Spiel sein, denn "Man soll nie Absicht vermuten, wo Dummheit als Begründung ausreicht." Insofern hat das Zertifikat höchst zweifelhaften Wert.

    Wird auf einer Webseite ein Zertifikat angezeigt, hängt es davon ab, wo Sie sich befinden: Handelt es sich um eine renommierten Firma, können Sie ein zertifiziertes Active-X-Control ohne großes Risiko installieren. Befinden Sie sich dagegen auf einer privaten oder halbprivaten Seite, sollten Sie auch mit zertifizierten Komponenten sehr vorsichtig sein. Programmierfehler können sich natürlich auch in Controls großer Unternehmen befinden.

    Wenn Sie schon massenhaft Active-X-Controls auf Ihrer Platte haben, hilft die Freeware 'ActiveXCavator'. Sie listet alle installierten Controls einschließlich diverser Dateiinformationen (Verzeichnis, Größe) auf und kann auch einzelne Controls löschen. Das Programm gibt es unter http://www.winmag.com/software/xcavate.htm.

    7.5 Java

    In Java wurden zum zum einen erfolgreiche Konzepte aus bereits bestehenden Sprachen (z.B. C, C++, Smalltalk, Eiffel, Ada, Objectiv-C) übernommen, zum anderen neue Konzepte verwirklicht. Java ist eine junge Interpretersprache, die viele mächtige Konzepte in sinnvoller Weise integriert. Sie völlig objekt-orientiert, interpretiert, einfach, architekturneutral, portabel und sicher. Eine gute Performance kann durch Multithreading und optionalen Nativecode erreicht werden. Ausgiebige Compilierzeitüberprüfungen und strikte Laufzeitckecks garantieren ein robustes und sicheres Verhalten der Applikationen. Sie kann somit neben der Möglichkeit des schnellen Prototyping als eine stabile Basis für verteilte und erweiterbare Systeme dienen.

    Die wesentlichen Gesichtspunkte sind:

    • Objektorientiert
    • Eigenschaften
    • Architekturunabhängig und portabel
    • Robustheit
    • Multithreading
    • Garbage Collection
    • Sicherheit

    Java ist objektorientiert
    Java ist vollkommen object-orientiert. Jede objekt-orientierte Sprache sollte Minimum der folgenden Charakteristiken in sich haben:

    • Encapsulation: Informationen (oder genauer Attribute und Methoden) werden gekapselt, d.h. konkrete Implementierung und Strukturen sind f&uumr den Anwender nicht sichtbar. Lediglich Funktionalit&t und Interface eines Objektes werden bekanntgegeben.
    • Inheritance: Subklassen "erben" Inhalte von Klassen
    • Dynamic binding: ermöglich ein Maximum an Flexibilität zur Laufzeit
    All diese Anforderungen werden von Java in hohem Maße erfüllt. Es werden sogar zusätzlich weitere runtime-features geboten, die die Software-Entwicklung einfacher machen können.

    Wichtige Begriffe in diesem Zusammenhang die auch in Java vorkommen sind:

    Klassen:Definiert Attribute und Methoden
    Object :instanzierte Klasse
    Message:Aufruf einer Methode eines anderen Objektes
    Constructor:Methode, die die Initialisierung eines einer Klasse instanzierten Objektes vornimmt
    Destructor:Gegenstück zum constructor.
    Access Control:Bei der Deklarierung einer Klasse können Attribute und Methoden mit verschiedenen Zugriffsleveln (public, protected, private, friendly) versehen werden.
    Abstract Methods:Methoden, die in einer Klasse deklariert werden, deren Implementierung aber erst in einer Subklasse erfolgt.
    Packages:Java-konstrukt, das eine Sammlung von zusammengehörenden Klassen bildet.

    Wichtige Eigenschaften von Java

    • Objektorientierung
    • Multithreading
    • Robustheit
    • Sicherheit
    • Erweiterbarkeit
    • Plattformunabhängigkeit

    Was Java hat

    • import: vergleichbar dem IMPORT von Modula-2.
    • interface: ein geschickter Ersatz für die Mehrfachvererbung.
    • Garbage Collection
    • Verbesserte Ausnahmebehandlung
    • Wohldefinierte Klassenhierarchie

    Eigenschaften, die nicht von C oder C++ übernommen wurden:

    • In Java gibt es keine Präprozessor-direktiven (wie z.B. #define) mehr.
    • Es gibt keine Headerfiles, dafür aber interfaces, die die Definition anderer Klassen und deren Methoden beinhalten.
    • Multiple Inheritance wurde durch Interfaces ersetzt, die Methodendefinitionen von Klassen gleichgesetzt werden können.
    • Kein "goto"-statement (definiert, aber nicht implementiert).
    • Kein Operator-overloading.
    • Keine Pointer.
    • Keine Typdefinitionen.
    • Keine Variante Records (union).
    • Keine generische Typen (templates).
    • Keine Mehrfachvererbung.
    • Keine vorzeichenlose Zahlentypen.
    • Keinen direkten Hardwarezugriff.

    Java ist architekturunabhängig und portabel
    Durch die Verwendung von byte-code im Gegensatz zum Binärcode ist Java völlig architekturneutral. Java-Programme lassen sich auf allen Plattformen ausführen, auf welche die Virtual Machine portiert wurde. Portierungen werden durch die strikte Sprachspezifikation unterstützt.

    Java ist robust
    Java ist eine Sprache, die gedacht ist für robuste, zuverlässige und sichere Applikationen. Um dies zu erreichen wird ein striktes compile-time checking durchgeführt, das es ermöglicht Syntaxfehler früh zu entdecken. Java ist eine sehr typorientierte Sprache. Viele C-Freiheiten, wie etwa implizite Deklaration von Funktionen sind nicht erlaubt. Besondere Stützen der Robustheit sind die Abschaffung von Pointern, die Verwendung von echten Arrays, ein Speichermodell, das die unerlaubte Überschreibung von Speicherbereichen verhindert und strengere Casting-Regeln.

    Java ist sicher
    Bereits bei der Konzeption von Java wurden grundlegende Überlegungen bezüglich der Sicherheit angestellt. Der Java-Compiler und das Laufzeitsystem integrieren mehere Abwehrschichten gegen potentiell gefährlichen Code. Am wichtigsten ist sicherlich das Speicherallozierungs- und -referenzierungsmodell. Entscheidungen über die Speicherbelegung werden nicht vom Compiler (wie in C oder C++), sondern erst zur Laufzeit vorgenommen. Intern verwendet Java sogenannte 'handles' die zur Laufzeit in physikalische Addressen aufgelöst werden. Dies geschieht sehr spät und z. T. auch abhängig von der Architektur, jedoch völlig transparent für den Programmierer.

    Was passiert, wenn gefährlicher Code auf einen Server generiert und zur Laufzeit auf dem client ausgeführt wird? Obwohl der Java-Compiler beim übersetzen das Einhalten von bestimmten Sicherheitsregeln garantiert, bleibt er natürlich machtlos, wenn Code-Fragmente zur Laufzeit on-the-fly gelinkt werden. Wie kann also das Laufzeitsystem dem hereinkommenden byte-code stream vertrauen, der vielleicht von einem nicht vertrauenswürdigen Compiler erzeugt wurde? Die Antwort ist einfach: Java traut dem Code nicht und unterwirft ihn deshalb dem byte-code-Verifizierungsprozeß. Dieser beinhaltet eine Reihe von sinnvollen, restriktiven Maßnahmen. Darunter sind einfache Typüberprüfungen, Ausklammerung von Pointern, Ausschluß von Stack-Über- und -Unterläfen, strikte Parameterüberprüfung, strikte Typkonvertierungen, Überprüfung der Speicherzugriffsrestriktionen. Weiter wird getestet, daß Objekte wirklich nur als solche verwendet werden.

    Daten- und Kontrollfluß vom Java-Quellcode bis zur Ausführung.

    Trotz der ausgedehnten Verifizierungsprozeß bleibt Java (laut Sun) immer noch schnell genug, da der Java-Interpreter von jeder weiterer Überprüfung hinsichtlich der Sicherheit befreit ist und damit mit vollen Geschwindigkeit arbeiten kann.

    Weitere Sicherheitsaspekte sind im Java Networking Package implementiert, welches es erlaubt verschiedene Sicherheitsebenen zu konfigurieren. Diese sind:

    • alle Netzwerkzugriffe sind verboten
    • Alle Netzwerkzugriffe sind erlaubt
    • Netzwerkzugriffe sind nur jenen hosts erlaubt, von denen der Code importiert wurde
    • Netzwerkzugriffe sind auf Zugriffe außerhalb des Firewalls beschränkt, wenn der Code von dort kommt.

    Zum Weiterlesen über Java ein Vortragsmanuskript von Antje König.

    Wer sich für Java interessiert, findet Java-Seiten mit vielen Demos, den HotJava-Browser (für SUNs) und Java-Entwicklersoftware auf dem Server von SUN Microsystems unter http://java.sun.com.

    7.6 Javascript

    JavaScript ist eine von Netscape entwickelte Script-Sprache mit begrenzten Fähigkeiten. Sie hat im Grunde mit Java nur einen Namensteil gemeinsam. Die Sprache lehnt sich in der Syntax an die von Sun Microsystems entwickelte Programmiersprache Java an. JavaScript ist jedoch anspruchsloser im Aufbau als Java, eingeschränkter in den Möglichkeiten und für andere Zwecke gedacht. JavaScript ist im Gegensatz zu Java eine unmittelbare Ergänzung und Erweiterung zu HTML. JavaScript bietet sich für folgende Zwecke an:
    • Animation: Mit Hilfe von JavaScript können Sie Animationen wie z. B. Marquees (Lauftexte) programmieren und in WWW-Seiten einbinden. Dabei steht Ihnen nicht nur das Anzeigefenster zur Verfügung, sondern auch Dialogbereiche des WWW-Browsers, etwa die Statuszeile.

    • Projektsteuerung: Mit Hilfe von JavaScript können Sie einige "Lücken" in HTML umgehen. So ist es mit Hilfe von JavaScript beispielsweise möglich, innerhalb eines Frame-Sets die Inhalte mehrerer Frame-Fenster gleichzeitig zu aktualisieren.

    • Formularüberprüfung: Mit Hilfe von JavaScript können Sie Anwendereingaben in einem HTML-Formular während der Eingabe überprüfen. Auf diese Weise können Sie z.B. unzulässige oder sinnlose Eingaben unterbinden.

    • Dynamische WWW-Seiten: Mit Hilfe von JavaScript können Sie erreichen, daß sich WWW-Seiten während der Anzeige dynamisch verhalten. So ist es beispielsweise möglich, Hinter- und Vordergrundfarben nach dem Laden der WWW-Seite automatisch oder im Dialog mit dem Anwender zu ändern.

    • Text generieren: Mit Hilfe von JavaScript können Sie zur Laufzeit HTML-formatierten Text generieren. So ist es mit JavaScript z.B. möglich, aktuelles Datum und aktuelle Uhrzeit auszulesen und dem Anwender anzuzeigen.

    • Anwendungen: Mit Hilfe von JavaScript können Sie einfache Anwendungen programmieren. Das können z.B. wissenschaftliche oder kaufmännische Taschenrechner sein. Auch einfache Spiele sind denkbar.

    JavaScript-Programme werden im Gegensatz zu Java-Programmen direkt in der HTML-Datei notiert. Sie werden auch nicht - wie Java-Programme - compiliert, sondern als Quelltext zur Laufzeit interpretiert, also ähnlich wie Batchdateien bzw. Shellscripts.
    Dadurch bleibt JavaScript unkompliziert für den Programmierer, doch kritisch für den Anwender. Das Interpretieren von Quellcode ist ungleich langsamer als das Interpretieren von compiliertem Code. Deshalb ist JavaScript nur für kleine und einfache Programmabläufe sinnvoll. Da kein Compilierungslauf und somit keine Fehlerprüfung stattfindet, gibt es bei JavaScript auch keinen Schutz vor schweren Programmfehlern, z.B. vor "Endlosschleifen", die beim Anwender zum Systemabsturz führen können.

    Wie einfach JavaSkript sein kann, sieht man hier.

    Der Quellcode zum JavaScript-Einschub:

    <FORM>
    <INPUT TYPE=BUTTON
            VALUE="Klick mich oder ich beiss Dich!"
            OnClick="alert('Ich würde sowas an Deiner Stelle nicht machen! 
                                 Deine Platte wird jetzt gelöscht!')">
    </FORM>
    

    Satire: Wie selbstdokumentierend und selbsterklärend die Skripte sein können, zeigt folgendes, einer real existierenden Webseite entnommene, Skript:

    <SCRIPT>
    var F_A,F_B,F_CH,F_CL,F_DB,F_E,F_F,F_L,F_MT,F_MV,F_R,F_SE,F_SU,F_U,F_HR,F_MU,F_MD;
    function F_e(){}
    function F_n(){}
    function F_on(){}
    </SCRIPT>
    
    Beliebt sind auch die animierten Schaltflächen (fahren Sie mal die Maus drüber):

    Zurück zur Startseite

    Das Skript dazu sieht so aus:

    <SCRIPT LANGUAGE="JavaScript">
            <!-- hide from old browsers
            start = new Image(20,150);
            start.src="http://www.stoermelder.net/skripten/sicherheit/start.gif";
            start2 = new Image(20,150);
            start2.src="http://www.stoermelder.net/skripten/sicherheit/start2.gif";
    
            function HiLite(imgDocID,imgObjName){
              document.images[imgDocID].src = eval(imgObjName + ".src")
              }
            // done hiding -->
    </SCRIPT>
    
    Das oben angeführte Skript ist "brav", es könnte aber in der Funktion HiLite beliebig viel Unsinn enthalten sein.

    HIER.

    Weitere Informationen und Beispielsammlungen zu JavaScript finden Sie im WWW:

    • Javascript-Einführung hier
    • JavaScript Authoring Guide
      Die offizielle JavaScript-Dokumentation von Netscape
    • JavaScript (auch in deutscher Übersetzung
      Die praxisorientierte Einführung von Stefan Koch
    • JavaScript Examples
      Interessante Beispielprogramme mit JavaScript
    • JavaScript Pro
      Profi-Forum zum Thema JavaScript. Möglichkeit, selbst Fragen zu stellen.
    • Gamelan
      Weltweit größte Sammlung von Java-Appletts und JavaScript-Beispielen.

    7.7 Browser sicher machen

    Die aktuellen Web-Browser Internet Explorer und Netscape Communicator weisen zwangsläufig Sicherheitstücken auf, die es zu schließen gilt. Microsoft und Netscape bieten Updates über das Startmenü des Rechners an; es hat also wenig Sinn, einen Browser manuell sicher machen zu wollen, ohne vorher alle Updates installiert zu haben. Deshalb lohnt es sich, die Update-Web-Seiten der Hersteller ab und zu aufzusuchen.

    In den Browsern Internet-Explorer und Netscape Communicator läßt sich so gut wie jedes Feature abschalten, welches den Rechner und seine Daten gefährden könnte. Dann allerdings geht im Web so gut wie nichts mehr. Aus diesem Grunde werden hier die einzelnen Features genauer beleuchtet.

    Internet Explorer

    Das Zonenkonzept des Explorers

    Microsofts Internet-Explorer differenziert seine Sicherheitseinstellungen nach Zonen:
    • Die Internet-Zone enthält grundsätzlich alle Sites.
    • Die Lokale Intranet-Zone umfaßt dagegen alle Computer, die mit einem lokalen Netzwerk verbunden sind. Dies nennt Microsoft bereits Intranet.
    • In der Zone für vertrauenswürdige Sites kann man Server angeben, denen man vertraut.
    • In Gegensatz dazu trägt man unter Zone für eingeschränkte Sites Server ein, die bekanntermaßen unsicher sind.
    Wer die Einstellungen unter dem Button Stufe anpassen nicht ändern will, der sollte es bei der Sicherheitsstufe Mittel belassen. In dieser Stufe fragt der Browser nach, ehe er Controls und Programme startet, die vom Anbieter kein Zertifikat erhalten haben. Der IE führt jedoch ohne Nachfrage bereits zertifizierte ActiveX-Controls aus.

    Wem diese Sicherheitsebene nicht genügt, der muß die verfeinerte Anpassung der einzelnen Stufen vornehmen. Die Einstellungen gelten nicht global, sondern nur für die jeweilige Zone. Gleichzeitig nehmen Sie verschiedene Sicherheitsoptionen wieder zurück, wenn Sie die Warnhinweise zu bestimmten Inhalten mit der Checkbox Den Hinweis für diese Zone nicht mehr anzeigen abschalten. Also alle Einstellungen nochmals aufsuchen und wieder aktivieren.

    Das Fenster Internetoptionen/Sicherheit im Internet-Explorer ermöglicht die dedizierte Wahl sicherer oder unsicherer Web-Seiten. Um Adressen derartiger Server einzugeben, wählen Sie zuerst deren Zone aus und klicken dann auf Sites:

    • Vertrauenswürdige Sites
      Diese Einträge erhalten im Standard die Sicherheitsstufe Sehr niedrig. Die niedrige Sicherheit läßt mehr Aktionen zu und unterdrückt Warnfenster. Microsoft empfiehlt allerdings, für die Zone für vertrauenswürdige Sites das HTTPS-Protokoll zu verwenden, um sichere Verbindungen aufbauen zu können.
    • Eingeschränkte Sites
      Diesen Sites weist der IE standardmäßig die Sicherheitsstufe Hoch zu. Einer solchen Adresse ordnet der Browser prinzipiell nur minimale, sichere Operationen zu. Der Zugriff auf solche Server ist eingeschränkt - viele PlugIns werden aufgrund abgeschalteter Features gar nicht funktionieren.

    Java und ActiveX beim IE einstellen

    Der Internet-Explorer bietet eine sehr feine Abstimmung der jeweiligen Sicherheitsstufen (Zonen, sichere/unsichere Sites). Man erreicht sie durch einen Klick auf das jeweilige Icon und auf den Button Stufe anpassen. Hier lassen sich alle Einstellungen anpassen: Hoch, Mittel, Niedrig und Sehr niedrig. Mit einem Klick auf Zurücksetzen lassen sich die Standardeinstellungen von Microsoft zurückholen. Die folgende Übersicht zeigt, was die einzelnen Menüpunkte und deren Einstellungen bewirken:
    • ActiveX-Controls und Plug-Ins
      In diesem Bereich legt man fest, wie ActiveX-Steuerelemente und ActiveX-Plug-Ins geladen, ausgeführt und über Scripts gesteuert werden können. Sollte man das ActiveX-Control von einer anderen Site laden als von der, auf der das Element verwendet wird, so schaltet der IE von sich aus auf die schärferen Sicherheitseinstellungen der beiden Sites um.
      • ActiveX-Steuerelemente ausführen, die für Scripting sicher sind
        bestimmt, ob das Steuerelement mit einem Skript zusammenarbeiten kann. Die Einstellungen an dieser Stelle werden jedoch von IE ignoriert, falls die Option ActiveX-Steuerelemente initialisieren und ausführen, die nicht "sicher" sind auf aktivieren eingestellt ist. Letztere Option umgeht praktisch jede Sicherheitseinstellung und ist daher zu vermeiden.
      • ActiveX-Steuerelemente und Plug-ins ausführen
        Damit gibt man an, ob Controts und Plug-ins in der ausgewählten Zone agieren dürfen. Sollten Sie diese Option abschalten, dann haben auch die weiteren Einstellungen zu ActiveX keine Bedeutung mehr. Beim Download von signierten ActiveX-Steuerelementen führt die Einstellung Fragen bei nicht vertrauenswürdigen Web-Seiten zu einer Warnmeldung.
      • Download von unsignierten ActiveX-Steuerelementen
        Code, der keine digitale Signatur trägt, ist aus diesem Grunde möglicherweise gefährlich. Mit der Option Aktivieren schalten Sie die Sicherheit gegenüber diesen Elementen ab. Dann wird auch ActiveX-Steuerelemente ausführen, die für Scripting sicher sind ignoriert. Mit der Option Fragen hat man die Wahl, ob man ein solches Control oder Plug-In überhaupt laden will - oder nur mit bestimmten Parametern startet. Am sichersten ist die Einstellung Deaktivieren, denn sie erzwingt die Ablehnung des fremden Codes.
    • Java-Optionen
      Benutzerdefiniert ermöglich es dem Anwender, einige Einstellungen vor dem Download eines Java-Applets selbst vorzunehmen. Die Einstellung Niedrige Sicherheit ist ebenfalls zumindest im Internet gefährlich, denn sie gibt allen Apptets die Möglichkeit, jede Operation ungehindert zu starten. Microsoft sieht zwar wie Netscape eine Sandbox für Java-Applets vor, doch deren Grenzen schaltet man mit dieser Einstellung ab. Mit Mittlere Sicherheit erreicht man einen Start der Java-Applets ausschließlich in der Sandbox.
      Die Option Benutzerdefiniert bietet weitere Einstellungen. Es erscheint der Button Java-Einstellungen. Unter anderem kann man definieren, was signierte und unsignierte Applets außerhalb der Sandbox unternehmen dürfen. Damit gleichen diese Optionen den Möglichkeiten von signierten Apptets im Netscape Communicator.
      • Benutzerauthentifizierung
        Dabei geht es um vier Optionen:
        • Automatisches Anmelden nur in der Intranetzone fordert den Benutzer auf, seine User-ID und sein Paßwort außerhalb des Intranets einzugeben. Dies geschieht allerdings einmalig, das heißt, weitere Zonenwechsel erfordern keine neuen Eingaben.
        • Anonyme Anmeldung
          schaltet die HTTP-Authentifizierung dagegen ab.
        • Nach Benutzername und Kennwort fragen
          erkundigt sich generell nach einer User-ID und einem Kennwort; Angaben, die der Internet-Explorer dann für die gesamte Zeit der Sitzung verwendet.
        • Automatische Anmeldung mit aktuellem Benutzernamen und Kennwort
          bewirkt auf NT-Systemen, daß der aktuelle Username sowie das Paßwort für die Prüfung der Zugriffsberechtigung auf den jeweiligen Internet-Server verwendet werden.
    • Cookies
      Die Option Cookies pro Sitzung annehmen (nicht gespeichert) erlaubt prinzipiell, daß eine Web-Site Cookies für eine Sitzung auf dem Rechner unterbringt. Darin halten entsprechende Sites beispielsweise den Inhalt virtueller Einkaufswagen fest. Arbeiten Sie mit der Einstellung Aktivieren, so kommt das dem Besuch der Site jedoch nicht auf der Platte. Mit Fragen erreichen Sie einen Dialog, der die Ablehnung jedes einzelnen Cookie ermöglicht. Deaktivieren stoppt die Cookies. Cookies annehmen, die gespeichert sind läßt eine hartnäckigere Form der Cookies zu, jene die dauerhaft auf die Platte gelangen. Über die Einstellung Aktivieren lassen Sie dauerhaft gespeicherte Dateien zu, die der IE nicht anzeigt. Für die beiden anderen Optionen gilt das gleiche wie bei den temporär gespeicherten Cookies.

    Netscape Communicator

    Die Einstellungen des Communicators sind wesentlich einfacher in der Bedienung. Darüber hinaus arbeitet der Communicator nicht mit ActiveX-Steuerelementen. Auch Netscape hat eine Signierung von JavaScripts und Java-Applets entwickelt. Diese Zertifikate zeigen nicht nur, daß die Software von einem bestimmten Hersteller stammt sie erlauben es dem Java-Programm auch, Aktionen außerhalb der sicheren Sandbox vorzunehmen. Dadurch kann es einem solchen Programm genauso wie beim IE gelingen, Inhalte der Platte auszuspionieren oder zu sabotieren.

    Die grundlegenden Einstellungen des Browsers erreichen Sie recht einfach über Bearbeiten/Einstellungen/Erweitert. Die dortigen Sicherheits-Optionen sind: Java aktivieren, JavaScript aktivieren und JavaScript für Mail und Diskussionsforen aktivieren. Parallel zur höchsten Sicherheitsstufe im Internet-Explorer könnte man diese drei Optionen abschalten. Damit führt der Communicator Java nicht einmal in E-Mails aus.

    Dabeben findet man im Communicator den Menüpunkt Sicherheit. Das dortige Fenster aktiviert Paßwörter und die programmeigene Kryptographie, kann jedoch auch Zertifikate aktivieren, mit denen ein Java-Code außerhalb der Sandbox im Dateisystem arbeiten kann.

    Eine weitere Gefahr sind sind Plug-Ins. Sie erweitern den Communicator um beliebige Funktionen, können aber auch immensen Schaden anrichten. Sie sollten sich zuerst anschauen, welche Zusätze derzeit bereits aktiv sind: Dazu klickt man auf Hilfe/Über Plug-Ins. Hier finden Sie im oberen Bereich auch einen Link zu Netscape, der zu den von Netscape angebotenen Plug-ins führt. Dort gibt es derzeit knapp 180 Plug-ins aus unterschiedlichsten Kategorien.

    Im Communicator ist es dem Anwender gestattet, Optionen der Sandbox zu ändern - dem Applet oder Script jedoch nicht. Ohne das Zonenkonzept ist man darauf angewiesen, die fraglichen Einstellungen pro Script/Apptet oder je Internet-Site vorzunehmen. Im Ordner \Netscape\Users\<Benutzer> gibt es eine Datei namens PREFS.JS, in der man eine Reihe von Einträgen vornehmen kann. Es handelt sich um eine reine Textdatei, man kann sie also mit einem einfachen Editor, wie dem Notepad bearbeiten, nachdem man eine Sicherheitskopie des Originals angelegt hat. Ein Beispiel sollen zeigen, was dort einzutragen ist:

    In seiner Grundeinstellung legt der Communicator HTML-Seiten, die über eine sichere Verbindung geladen wurden, nicht in seinem Seitenspeicher ab. Der Grund: Aus dem Cache können unbefugte Leute eine solche Seite herausholen und im Klartext lesen, was die Übertragung via SSL ursprünglich verhindern sollte. Mit der folgenden Zeile schaltet man die Speicherung einer Seite im Cache wieder ein:
    user_pref("browser.cache.disk_cache_ssl",true);

    Eine ausführliche Anleitung finden Sie unter http://www.ufaq.org

    7.8 Hintertüren im Windows-PC

    Im Internet lauern etliche Hacker-Tools. Das prominenteste Mitglied der Hintertür-Programme ist sicher Back Orifice 2000 (B02K). Weit weniger bekannt sind SubSeven, Hack'a'Tack, Deep Throat, NetSphere, NetBus und andere. Windows-Hintertüren gewähren einem Angreifer nahezu unbeschränkten Zugang zum Computer des Opfers - so liest man immer wieder. Diese Formulierung ist eigentlich noch zu schwach: Abgesehen vom vollständigen Zugriff auf alle Dateien und Systempasswörter ebnet ein solcher 'Femwartungszugang' auch den Weg ins lokale Netz oder Intranet, mit allen Rechten des Benutzers. Wer einen Multimedia-Computer mit Kamera und Mikrofon sein Eigen nennt, liefert dem Angreifer eine Überwachungsstation mit Bild und Ton.
    Selbst Verschlüsselung und Sicherheitssoftware stellen keine nennenswerten Hindernisse dar: Die Hintertür liefert dem Angreifer alle Tastatureingaben frei Haus. Protokollfunktionen können diese auch aufzeichnen, während man nicht online ist. Zusammen mit geheimen Schlüsseln oder Verwaltungsinformationen von der Festplatte hat der Angreifer somit alle Möglichkeiten, die auch der rechtmäßige Benutzer besitzt. Die Hintertüren können üblicherweise jede Software im Verborgenen starten - ohne sichtbare Fenster.
    Der 'aufgebohrte' Computer kann auch zu Downloads benutzt oder ferngesteuert zu einem Server gemacht werden, der Spuren des Angreifers für weitere Aktivitäten verwischt. Abgesehen davon bieten die Hacker-Tools eine Menge harmloser Funktionen, die nur dazu dienen, den Anwender zu verwirren oder zu ärgern: Maustasten vertauschen, Bildschirm spiegeln, CD-ROM-Schublade aus- und einfahren, Sounds abspielen, Windows beenden oder abstürzen lassen und anderes.
    'The Trojans Removal Database' (www.multimania.com/ilikeit/) verzeichnet über 50 Hintertüren mit ihren standardmäßigen Dateinamen und Registry-Einträgen. Die Begriffe vermischen sich zunehmend. Fernwartungssoftware erlaubt Systemverwaltern und Support-Mitarbeitern Zugriff auf Computer, ohne daß sie davor sitzen müßten. Trojanische Pferde stehlen im Hintergrund Passwörter oder verrichten andere üble Werke, während der Anwender von einer mehr oder weniger nützlichen Anwendung oder gar nur einer Fehlermeldung beim Programmstart getäuscht wird.
    Heute baut der ahnungslose Anwender unwissentlich selbst eine Hintertür in sein System ein, während er ein Programm startet oder installiert. Auch die 'offiziellen' Fernwartungs-Tools lassen sich so installieren, daß der Anwender sie nicht bemerkt. Die NetBus-Hersteller werfen Symantec sogar Geschäftsschädigung vor: Ihr Tool sei ein direkter Konkurrent von Symantecs PCAnywhere, deren Virenscanner nenne NetBus aber ein Trojanisches Pferd und verunsichere damit potenzielle Kunden.
    Die Back-Orifice-Autoren vom 'Cult of the Dead Cow' richten ihre Kritik hingegen an Microsoft, die in Sicherheitshinweisen zu ihrer eigenen Fernwartungssoftware schreiben: 'Es ist möglich, eine Fernwartung so zu konfigurieren, daß es niemals sichtbare oder nachweisbare Anzeichen für bestehende Fernzugriffe gibt.' Entsprechende Möglichkeiten habe man auf Grund von Kundenwünschen vorgesehen.
    Die Hacker-Tools als 'ganz normales' Fernwartungsprogramm zu deklarieren, das sich halt auch mißbrauchen läßt, ist allerdings auch nur die halbe Wahrheit: Ob die Wahrscheinlichkeit für zusätzliche Hintertüren, die die Autoren für sich selbst geschaffen haben, hier deutlich höher liegt als bei Software kommerzieller Anbieter, sei dahingestellt.
    Eine neue Qualität bieten hier allerdings die offen gelegten Quelltexte von Back Orifice 2000: Jeder kann sich selbst davon überzeugen, daß die Hintertür nicht zusätzlich ein echtes Trojanisches Pferd ist. Außerdem sinkt durch die Begutachtung des Sourcecode die Wahrscheinlichkeit, daß Implementierungsfehler unerkannt bleiben und zu Sicherheitslücken werden - das ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber kommerzieller Femwartungssoftware.
    Solange das Betriebssystern keinen Schutz vor unerwünschten Programmen und versteckten Funktionen bietet, bleibt dem Anwender, der keine Hintertüren möchte, nur der Griff zum Virenscanner. Die beste Antwort auf derartige Software bleibt ein gesundes Maß an Mißtrauen: Kein Programm aus unbekannter Quelle ausführen, keine ausführbare Dateien aus E-Mail-Anhängen zu starten, wenn eine Übertragung nicht ausdrücklich mit dem Absender vereinbart war. Das gilt auch für persönliche Bekannte - es gibt eine Reihe von Viren, die im Namen des Computerbesitzers automatisch verseuchte Post verschicken. Und 'ausführbare Dateien' wird angesichts makrofähiger Office-Dokumente und HTML-Mails mit aktiven Inhalten ein immer weiterer Begriff: Wem die buntere Darstellung nicht sehr am Herzen liegt oder wer vertrauliche Daten auf seinem Rechner hat, der sollte Word-Dateien, HTML und aktive Inhalte (ActiveX, Java, Javascript, VBScript usw.) aus Mail-Client und Webbrowser rigoros verbannen.

    Siehe auch Erkennung trojanischer Pferde bei Windows im dritten Kapitel.

    7.9 Pornos etc.

    Wie sollen sich Internet-Nutzer verhalten, wenn sie zufällig auf Seiten mit pornographischem Inhalt landen, oder E-Mail mit derartigen Inhalten bekommen?

    Pornografisches ist grundsätzlich nicht strafbar. Eine Ausnahme gilt jedoch für Kinderpornographie. Hier genügt der bloße Besitz, um sich strafbar zu machen. Selbst wenn Sie keine Bilder speichern, sondern nur zufällig über solche Dateien stolpern existieren diese im Plattencache des Browsers. Ob es sich dabei bereits um "Besitz" im Sinne des StGB handelt, ist bisher noch nicht höchstrichterlich entschieden.
    Um allen strafrechtlichen Problemen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt es sich, solche Daten sofort von der Festplatte zu löschen. Gleiches gilt für E-Mails mit derartigen Inhalten.
    Wenn man beim Surfen auf Kinderpornos oder auch rechtsextremes Material stößt, kann man sich an ppmuc@www.polizei.bayern.de wenden.
    Bei Newsgroups ist bereits hinsichtlich "normaler", pomogrophischer Schriften und Bildern Vorsicht geboten. Sofern in einer Newsgroup freier Handel mit "normaler" Pornographie getrieben wird, sollte man sich nicht beteiligen, da nicht sichergestellt worden kann, daß daran nicht auch Jugendliche unter 18 Jahren teilnehmen. Wer sich dennoch aktiv einbringt, läuft Gefahr, sich wegen Verbreitung pornographischor Schriften strafbar zu machen.
    Eine Verschärfung gilt für die harte Pornographie. So ist zum Beispiel die Verbreitung von Bildern mit Kinderpornographie, Sodomie und der Darstellung von sexueller Gewalt allgemein verboten.
    Eine sachliche Diskussion über alle Themen in Nowsgroups oder Chatforen ist nicht strafbar. Die Meinungsfreiheit ist hier oberstes Gebot, eine Ausnahme gilt lediglich in bezug auf die Leugnung des Holocousts.

    7.10 0190-Onlineverbindungen

    Plötzlich ist die Telefonrechnung wahnsinnig hoch. Auf der Rechnung erscheinen Einwahlen zu sogenannten 0190-Servicenummern. Sie können sich jedoch nicht daran erinnern, jemals derartige Verbindungen von Ihrem Anschluss aus getätigt zu haben. Doch was ist mit dem Computer, der über einen Internetzugang verfügt und somit ebenfalls an der "Telefondose" hängt? Genau hier ist die Gefahr gegeben, daß schnell eine unbezahlbare bzw. hohe Telefonrechnung ins Haus flattern könnte. Schuld daran kann eine sogenannte Dialer-Software sein, die beabsichtigt (durch den Anwender selber) oder unbeabsichtigt teure Servicenummer anwählt.

    Was sind 0190-Dialer?

    Viele Webseiten bieten Ihre Angebote nicht mehr nur auf herkömmliche Art und Weise an. Früher mußte der Interessent sich registrieren lassen und bezahlte die Leistung per Kreditkarte, Überweisung, Abbuchung o. ä. Heute kann der Kunde "bequem" und "anonym" per Telefonrechnung bezahlen, indem die Verbindung über eine 0190-Servicenummer aufgebaut wird. Um dem Kunden diese Sache zu erleichtern, werden sogenannte Dialer oder auch Highspeedzugänge zum Download angeboten. Der Kunde lädt sich das Programm herunter, installiert es und wählt sich ein. Der Preis für eine Minute kann von Anbieter zu Anbieter schwanken, doch sind 3,63 DM/Min. die Regel geworden.
    Meist wird von dem Schadprogramm eine neue DFÜ-Verbindung erstellt, die mit einer definierten Benutzerobfläche gekoppelt wird. Siehe "Arbeitsplatz" -> "DFÜ-Netzwerk", hier sind alle definierten DFÜ-Verbindungen sichtbar. Die angebotenen Dienstleistungen mittels 0190-Zugänge reichen von erotischen Materialien (Adult Branche) über Software bis zu Klingeltöne für Handys oder Informationen aller Art.
    Dialer - Programme wenden unterschiedliche Methoden zum Aufbau einer Verbindung auf. Wie bereits erwähnt, geschieht das in den meisten Fällen mittels einer neu definierten DFÜ-Verbindung. Doch könnte ein Dialer auch mittels der CAPI (bei ISDN Nutzern) eine Verbindung aufbauen. Diese Dialer wählen eigentlich nur so eine teure Rufnummer an, um damit Geld zu verdienen. Für diese Einwahlen bekommt der Anwender in den meisten Fällen überhaupt keine Gegenleistung.

    Wie gerät man an einen solchen Dialer?

    In den meisten Fällen muß der Anwender sich das Programm selber herunterladen und installieren. Doch sind auch Fälle bekannt, wo das Programm mittels einer SPAM-Mail wahllos an Mailadresse verschickt wurde. Dazu noch einen Mailtext, der das Angebot beschreibt. Doch ist diese Art als recht selten einzustufen, da durch den Empfänger einer derartigen Mail mit rechtlichen Schritten gegenüber dem Verursacher (der Firma) gerechnet werden kann. Viele User mit hohen "0190er-Telefonrechnungen" behaupten jedoch, nie so ein Programm aus dem Netz geladen zu haben. Das Programm müsste sich somit selbstständig beim Besuch eines Webangebotes installiert haben. Auch diese Methoden sind leider durchaus gängige Praxis. In der Regel wird mittels ActiveX das Programm geladen und nach einem erneuten Systemstart das Programm (also die Dialer-Software) auf dem lokalen System installiert. Von dieser Methode sind Netscape- und Opera-Anwender nicht betroffen, da diese Browser ActiveX nicht kennen bzw. unterstützen. Ein automatischer Download, verbunden mit einer Installation sind durchaus möglich und können in die Praxis umgesetzt werden. Denkbar wären Möglichkeiten oder auch Kombinationen mehrerer, über Java-Scripte, ActiveX, I-Frame, MHTML etc. Diese Praktiken können auch angewendet werden, indem Spam-Mails im HTML-Format verschickt werden.

    Desweiteren könnte der Webseitenbetreiber einen 0190-Dialer auch als zusätzliches Chat- oder Webcamprogramm ausgeben und verschweigt dabei die teuren Einwahlkosten. Auch sind Webseiten bekannt, wo sofort bei Eintritt auf das Angebot eine EXE-Datei (somit die Dialer-Software) als Downloadlink startet. Der Anwender braucht "nur" noch den Button "Speichern [unter]" zu betätigen. Zumindest befindet sich die Software so schon einmal auf dem System des Besuchers. Nicht selten wird Dialer-Software auch gar nicht durch den PC-Besitzer geladen und installiert, sondern z.B. durch Familienangehörige. Gerade Kinder sind oft sehr neugierig und probieren gerne neue Dinge aus. Die Versuchung ist gross, doch so ein Programm mal einfach zu testen. Der Nachwuchs vergisst dabei die Zeit und schnell fallen hohe Verbindungskosten an, welche die Eltern als Inhaber des Telefonanschlusses zu tragen haben.

    Einige 0190-Dialer verhalten sich wie Trojanische Pferde. Diese Spezies unter den Programmen legen entsprechende Eintragungen im System an, meistens in der Registry. Diese Eintragungen bewirken den automatischen Start bei jedem Neustart des Windows-Systems. Somit ist die Dialersoftware ständig im Hintergrund geladen. Das ist noch nicht weiter das Schlimmste daran. Doch wenn sich die Software selbstständig macht, indem ohne Nachfrage bzw. Hinweise an den Anwender, 0190-Verbindungen aufgebaut werden, kann man schon von kriminellen Handlungen sprechen.

    Eine weitere beliebte Variante besteht darin, daß die ohnehin neu angelegte DFÜ-Verbindung als Standardverbindung definiert wird. Viele PC-Anwender habe ihre DFÜ-Einstellungen gleich mit dem Browser oder Mailprogramm gekoppelt. Gibt der User eine Internetadresse in seinen Browser ein, so schaltet sich die definierte DFÜ-Verbindung zwischen. Wenn der Anwender nun auch ohnehin stets sein Zugangspasswort abgespeichert hatte, fällt es gar nicht auf, daß während der gesamten Internetsitzungen eine 0190-Verbindung besteht. Vor der Einwahl wird zwar die Rufnummer angezeigt, aber welcher Anwender achtet schon darauf? Sollte doch das gewohnte Passwort eingegeben werden, so ist das auch egal, da die Verbindung dahingehend durch die Software eingestellt wurde, indem ein beliebiges Passwort eingeben werden kann.

    Eine installierte DFÜ-Verbindung ist bekanntlich im Ordner "DFÜ-Netzwerk" auch sichtbar. Doch gilt auch diese Regel leider nicht immer. Einige Dialer tragen sich erst bei der Einwahl dort ein. - Dafür sorgt ein zweites Programm, welches im Hintergrund des Systems läuft. Nach der Abwahl wird der Eintrag durch das gleiche Programm wieder entfernt. Dieses zweite Programm liefert der Dialer quasi mit, sobald dieser das erste mal überhaupt installiert wird. Der Kunde nutzt ein derartiges Angebot und wählt sich nach einiger Zeit ab. Das Programm bestätigt dieses auch. Aber im Hintergrund bleibt die Verbindung entweder noch für einige Zeit bestehen oder sogar so lange, bis das System komplett heruntergefahren wird. Auch sind zeitgesteuerte Dialer bekannt, die sich stets zu einer bestimmten Uhrzeit erneut einwählen oder zu einem vordefinierten Zeittakt.
    Aber auch über Chatsysteme (ICQ, AOL Instant Messenger, MSN etc.) werden sogenannte gecrackte Dialer immer wieder angeboten. Siehe unsere Beispieldokumentation eines Falles. Es ist in jedem Fall zu empfehlen, NIEMALS derartige Software zu laden und auf dem lokalen System zu starten.
    Scheinbar haben einige dubiose Anbieter mitbekommen, daß viele Internetanwender die Anwahl von Rufnummer mit der Vorwahl 0190 durch die Telekom haben sperren lassen. Hierzu werden Vorwahlen verwendet, die für Onlineprovider bestimmt sind (z.B. 0193/0192 etc.). Diese Provider können die Minutenpreise selber bestimmen. Auch hier sind somit Minutenpreise von weit über 3,-- DM möglich (z.B. 3,63 DM/Min.). Trotz "0190-Sperre" ist nun wieder die Einwahl zu teuren Diensten möglich. Keine Frage, ob das nun böser Wille seitens des Anbieters ist, sei einmal dahingestellt.

    Oftmals wird auf Angebotsseiten bekanntlich der Versuch gestartet einen Dialer auf dem System des Besuchers zu installieren. Oftmals gelingt das jedoch nur, wenn der Besucher auch einige technischen Vorgänge bestätigt. Hierzu werden Hinweisfenster seitens der Seitenbetreiber "gebastelt". Diese Fenster beinhalten Buttons mit z.B. "Ja" und "Nein", die der Besucher anklicken soll. Egal für welchen Button er sich entscheidet, er bestätigt den weiteren Installationsvorgang. Oder die Fragen sind sehr missverständlich gestellt, damit sich der Besucher für den richtigen Button (aus Sicht des Seitenbetreibers) entscheidet. Pop-Up Fenster also NIEMALS mit dem Versuch schliessen, indem Buttons im Fenster angeklickt werden, sondern stets mit dem Kästchen im Fenster oben rechts (Kreuz).

    Die meisten Dialer legen eine neue DFÜ-Verbindung an. Diese kann der Anwender über Arbeitsplatz -> DFÜ-Netzwerk per Mausklick erreichen (oder über Programme -> Zubehör -> Kommunikation). Hier befinden sich alle festgelegten Verbindungen. Da einige Dialer sich wie ein trojanischen Pferdes verhalten, können die üblichen Methoden zur Erkennung von Trojanern angewendet werden. Auch sollte der PC-Anwender stutzig werden, sollte sich ein bisher unbekanntes Icon unten rechts in der Desktop-Leiste befinden (links neben der Uhrzeit). Je nach Dialer können die Icons in ihrer Darstellung stark abweichen. Wenn der Anwender einen Internetzugang per DFÜ-Netzwerk nutzt, sollte auch die eingestellte Einwahlnummer kontrolliert werden. Kein normaler Provider wird eine Einwahlnummer nutzen, die mit 0190xxx oder 010330190xxx beginnt.

    Wie kann ich mich dagegen schützen?

    In keinem Fall sollten automatisch angebotenen Downloads einer EXE-Datei bei Eintritt einer Webseite angenommen werden. Hin und wieder passiert es im übrigen auch, daß bei Erwähnung einer Webseite (wo auch immer) ein direkter Download-Link genannt wird. In dieser Webadresse erscheint zwar keine Datei unter der Endung ".exe", doch wird diese URL auf einen Download-Link umgeleitet.
    Daß Programme unbekannter Herkunft nicht aus dem Web heruntergeladen und ausgeführt werden sollten, muss eigentlich an dieser Stelle nicht mehr erwähnt werden. Das Gleiche gilt natürlich auch für ausführbare Dateien, die einem unverwünscht per E-Mail übermittelt worden sind. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Absender bekannt ist oder nicht. Häufig werden derartige Spam-Mails mit gefälschten Absendern verschickt.
    Da auch immer mehr Webseitenbetreiber dazu übergehen, mittels ActiveX einen Dialer auf dem System des Besuchers zu installieren ohne das es dieser überhaupt bemerkt, sollte der Browser entsprechend konfiguriert werden. Da nur der Internet Explorer ActiveX kennt und ausführen kann, sollten diese Funktionen in den Einstellungen (unter Internetoptionen) unbedingt deaktiviert werden. Andere Browser wie Netscape, Opera oder Mozilla ignorieren ActiveX und bieten lediglich den Download einer Datei an, sollte man über eine entsprechend modifizierte Seite im Netz stolpern. Diesen Download immer ablehnen!

    Der beste Schutz überhaupt - 0190 sperren lassen. Diese Möglichkeit stellt sich als die beste und auch effektivste Möglichkeit zum Schutz hoher Telefonrechnungen dar! Die Anwahl bestimmter Vorwahlbereiche kann für einen Telefonanschluss auch gänzlich gesperrt werden. Dabei können auch andere Vorwahlen zusätzlich einbezogen werden. Folgende Vorwahlbereiche sollten in jedem Fall gesperrt werden:

    • 0190
    • 0193 (hier kann jeder Anbieter die Gebühren selbst festlegen)
    • 0900 (diese Nummer wird im Laufe der Zeit die 0190-Vorwahlen ablösen)
    Viele Haushalte verfügen heutzutage schon über kleine Telefonanlagen, insbesondere ISDN-Teilnehmer. Die meisten Telefonanlagen bieten die Möglichkeit, bestimmte Rufnummern zu sperren oder freizugeben.

    7.11 Spuren im Netz von Lutz Donnerhacke

    Jeder, der sich bewegt, hinterläßt Spuren. Wenn Old Shatterhand mit Winnetou den bösen Bleichgesichtern nachlaufen, so lesen sie die Spuren mit Sachkunde und Verstand. Analog gehen die modernen Schnüffler der Polizei und vieler privater Unternehmen vor. Wer hat noch nicht Werbemüll im Briefkasten gefunden? Wie eine Lottoveranstalter an die Adressen kommt? Ganz einfach: Über das Einwohnermeldeamt.

    Es gibt Leute, die geben bei der Beantragung Ihrer Bahncard ein Paßbild ab, obwohl sie auf den umseitigen Bedingungen darauf hingewiesen werden, daß alle Daten incl. dieses Bildes zur Firma Electronic Data Systems (EDS) in die USA geschickt wird. Dies geschieht, weil die Deutsche Bahn die Kartenerstellung durch die Citibank machen läßt, währen EDS für die Citibank die EDV erledigt. Die Firma verfügt über erstklassige Informationsquellen bis hin zu aufgekauften Spionagesatelliten. Durch (in Deutschland untersagte) Zusammenführung von Datenbanken kann hier ein privatwirtschaftliches Unternehmen die unglaublichsten Dinge bewegen. So wurde bspw. ein alimentenflüchtiger Engländer bei einem Inlandsflug von Neu Dehli nach Bombay verhaftet. Grund: EDS arbeitet für Air India (und weitere 23 große Fluggesellschaften) und die englische Steuerbehörde.

    Wem solche Geschichten Angst einjagen, der möge sich von einem alten Sprichwort trösten lassen: "Auch wenn Du nicht paranoid bist, so heißt das noch lange nicht, daß sie nicht hinter Dir her sind."

    An einigen Plätzen hinterläßt man viele Spuren, an anderen weniger. Während man bei körperlicher Anwesenheit immer Spuren (Hautschuppen, Haare, ....) hinterläßt, die bspw. in der zentralen Gendatenbank des Herrn Kanther nachgeschlagen werden können, sind elektronische Medien von diesem Makel befreit.

    Elektronische Medien

    Auch wenn Fingerabdrücke, Blutspuren, Speichelreste oder einfache Kleindungsreste im Netz nicht zurückbleiben können, so ist doch die Kommunikation im Netz extrem formalisiert. Schließlich unterhalten sich dumme Rechner mit dummen Rechnern.

    So muß jeder Rechner eine eindeutige Nummer (IP-Adresse) haben, eine Art Postanschrift. Er erreicht andere Rechner ebenfalls über diese Adressen. Jeder, der die Datenleitungen am Ende oder irgendwo dazwischen anzapfen kann, kann so ein Nutzungsprofil erstellen. Das ist einfacher, als man denkt! Auf dem Weg zum Zielsystem sind eine Vielzahl unabhängiger Kleinunternehmen involviert. Ob es der Telefonanbieter, der Provider oder dessen Telefonanbieter ist...

    Auf dem Zielsystem ist es dagegen sehr einfach. Alle Serverdienste, wie Web und Dateiserver führen penibel Logfiles, wer wann von wo was gelesen hat. Man kann deutlich erkennen, wie md59-072.mun.compuserve.com alias 195.232.62.72 zuerst die ActiveX Webseite mit allen darauf liegenden Bildern geholt hat. Vierzehn Minuten später (die Seite ist wirklich lang) wechselt er zum Ewigen Logfile und benutzt es. Übungsaufgabe: Wie schnell liest er? Liest er gern und viel? Hat er einen hohen Bildungsstand?

      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:08:54 +0200]
        "GET /mitarb/lutz/security/activex.html HTTP/1.1" 200 13803
      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:08:59 +0200]
        "GET /mitarb/lutz/security/activex.gif HTTP/1.1" 200 6176
      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:08:59 +0200]
        "GET /mitarb/lutz/security/radioactivex.gif HTTP/1.1" 200 2904
      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:09:01 +0200]
        "GET /pic/key.gif HTTP/1.1" 200 184
      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:09:01 +0200]
        "GET /pic/unkey.gif HTTP/1.1" 200 196
      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:14:07 +0200]
        "GET /mitarb/lutz/cgi-bin/logfile.pl?form HTTP/1.1" 200 949
      md59-072.mun.compuserve.com - - [16/Apr/1998:00:14:25 +0200]
        "POST /mitarb/lutz/cgi-bin/logfile.pl?submit HTTP/1.1" 200 3557
    
    Die Auswertung der Logfiles ist das tägliche Brot der Netzdienstleister zum Wohle Ihrer Kunden. Diese Kunden sind nutzen diese persönlichen Verhaltensprofile zu den verschiedensten Zwecken. Einige passen Ihr Angebot an, so daß die kleinen Angebote zugunsten eines Mainstream verschwinden. Andere leiten die Daten an Direktmarketingagenturen weiter, manchmal auch durch einfachen Verkauf.

    E-Mail

    Nutzt man Dienste, die ohne direkten Kontakt zum Gegenüber auskommen, wie E-Mail oder Usenet, so kann der Empfänger natürlich nicht einfach die IP-Adresse bestimmen. Jedoch schreiben alle beteiligten Systeme den zurückgelegten Weg in die transportierte Nachricht und führen darüberhinaus noch ein Logfile über alle Aktivitäten. Return-Path: <news@as-node.jena.thur.de> Received: from jengate.thur.de (uucp@jengate.thur.de [193.174.15.34]) by avalon.iks-jena.de (8.8.8/8.8.8) with ESMTP id DAA19260 for <lutz@iks-jena.de>; Fri, 17 Apr 1998 03:22:22 +0200 (MET DST) Received: from as-node.jena.thur.de (uucp@localhost) by jengate.thur.de (8.8.8/8.8.8) with BSMTP id DAA09046 for lutz@iks-jena.de; Fri, 17 Apr 1998 03:22:20 +0200 Message-Id: <m0yPf4f-0005ZLC@as-node.jena.thur.de> Date: Thu, 16 Apr 98 05:10 MET DST From: news@as-node.jena.thur.de (news) To: usenet@as-node.jena.thur.de Subject: checkgroups by group-admin@isc.org
    Diese Nachricht wurde (angeblich) von news@as-node.jena.thur.de abgesendet. Das kann natürlich gefälscht sein. In der ersten Received Zeile ist zu lesen, woher mein Zielsytem die Nachricht bekommen hat: Jengate.Thur.De. Gleichzeitig schreibt er die genaue Zeit und die IP-Adresse des Einlieferers auf.

    Jengate selbst hat sich in der zweiten Received Zeile verewigt und behauptet, die E-Mail von As-Node.Jena.Thur.De per BSMTP bekommen zu haben. Vermutlich über das Datenaustauschverfahren UUCP, daß ohne IP Adressen auskommt. Die As-Node hat sich nicht verewigt. Das kann sein, ist aber ungewöhnlich.

    Die aufgeführte Message-ID ist ideal zum Spurenverfolgen. Sie bleibt den gesamten Transportweg über fest und kann somit als Nachfrageinstrument taugen. Ein Blick auf das Logfile von Jengate zur fraglichen Zeit bestätigt die Angaben. Die Mail kam also wirklich von der As-Node.

      Apr 17 03:22:21 jengate sendmail[9046]: DAA09046:
        from=news@as-node.jena.thur.de, size=2288, class=0, pri=32288, nrcpts=1,
        msgid=<m0yPf4f-0005ZLC@as-node.jena.thur.de>, proto=BSMTP,
        relay=uucp@localhost
    
    Wer E-Mail schickt, muß also damit rechnen, daß er zurückverfolgt werden kann. Adressfälschung schützt somit nicht vor Rückverfolgung. Auch Spammer (Werbemüller) werden so zweifelsfrei identifiziert. Dies führt i.d.R. zum Account-Verlust des Spammers, oder bei großen Firmen zu einem Eintrag in eine schwarze Liste. Diese Listen haben normalerweise so verheerende Folgen, daß die betroffenen Provider der Spammer aktiv werden.

    Verschlüsselte Mail

    Ein anderes Problem ist die tatsache, daß E-Mail prinzipell unverschlüsselt übertragen wird. Da sie auf vielen System zwischengespeichert werden muß, haben potentiell viele Menschen Zugang zum Mailinhalt. Es ist deshalb dringend anzuraten, den kompletten Mailverkehr zu verschlüsseln.

    Dazu steht hauptsächlich die Software PGP zur Verfügung. PGP2.6.3in ist von den älteren Versionen die am weitesten entwickelte. Mit einigen Zusatzprogrammen kann man damit auch gut arbeiten. Die Versionen PGP5.x sind zwar leichter zu bedienen, haben aber eine Funktion eingebaut, mit der ein Dritten den Nachrichtenverkehr mitlesen könnte. Das ist zwar nicht einfach, wird aber von PGP5 aktiv unterstützt. Alle PGP Versionen werden durch den kompatiblen Internet Standard OpenPGP abgelöst. Dieser enthält viele Schwachstellen beider Versionen nicht mehr.

    Wer verschlüsselt, muß ja dem Gegenüber irgendwie mitteilen, mit welchen Schlüsseln eine Datei codiert wurde. Diese Schlüsselnummer steht immer dabei. Man kann sie benutzen, um eine verschlüsselte Nachricht auch dann wiederzuerkennen, wenn man den Absender oder Empfänger kaum ausmachen kann. Um diese Spur zu verwischen, bietet OpenPGP an, diese Kennung auch weglassen zu können. Die Empfangsseite muß dann zwar mühsam (aber automatisch) probieren, jedoch ist dieser Angriff ausgeschaltet.

    Usenet

    Mit Newsartikeln ist es ganz ähnlich. Jedoch kann JEDER die Nachricht auf diese Weise analysieren.
      Path: news.iks-jena.de!jengate.thur.de!akk.uni-karlsruhe.de!
            riemann.iam.uni-bonn.de!fu-berlin.de!newsfeed.pop.de!
    	news.hamburg.pop.de!not-for-mail
      From: h.roth@mail.hh.provi.de (Hermann Roth)
      Newsgroups: de.admin.net-abuse.news
      Subject: Re: de.admin.net-abuse.news und Netiquette
      Date: Thu, 09 Apr 1998 16:04:35 GMT
      Organization: privat
      Lines: 23
      Message-ID: <6girja$j53$5@popnews.hamburg.pop.de>
      References: <6e9i9b$nvl$1@goof.de.uu.net> [...]
    	<6egqdt$2nm$1@seeadler.zwirgel.net>
    	<351c8848.3159574@news.rrz.uni-koeln.de>
      NNTP-Posting-Host: pop230.hh.provi.de
      Mime-Version: 1.0
      Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1
      Content-Transfer-Encoding: 8bit
      X-Newsreader: Forte Agent 1.5/32.451
    
    Dieser Artikel stammt (angeblich) von einem Hermann Roth. Er wurde in die Usenet-Newsgruppe de.admin.net-abuse.news gepostet, die sich mit dem Usenetmißbrauch befaßt. Auch hier taucht wieder eine Message-ID auf, die für mindestens zwei Jahr weltweit eindeutig sein muß. Man kann also mit dieser ID den Artikel fast immer wiederfinden. Es sei denn, er wurde auf allen Rechnern gelöscht...

    In der References Zeile finden sich die Message-IDs der Artikel, auf die Hermann geantwortet hatte. Fast alle dieser Zeilen kann man fälschen. Einige wenige jedoch nicht.

    NNTP-Posting-Host wird normalerweise von dem Newsserver eingetragen, den Hermann genutzt hat. Über 99% aller Fälscher von Artikeln vergessen das oder können es nicht umgehen. Diese Angabe besagt, daß er auf dem Hamburger Einwahlknoten des Providers provi.de den Platz 230 hatte. Diese dynamische Zuordnung kann der Provider leicht auf Rückfrage zur Blick in die Logfiles auflösen. Der Absender ist so ermittelbar.

    Die Path Zeile ist das Pedant zu den Received Zeilen der Mail. Sie listet Stück für Stück auf, welche Rechner den Artikel transportiert haben. Der IKS Rechner hat ihn von Jengate, der wiederum hat ihn aus Karlruhe, der ihn aus Bonn, und schließlich über Berlin aus Hamburg. Es zeigt sich auch, daß provi.de eigentlich pop.de ist. Wollte man hier fälschen, so müßte man die Kette fortsetzen. Das ist alles andere als trivial und wird normalerweise schnell entdeckt. Im Zweifel geht man stückweise rückwärts, um den Absender zu ermitteln.

    Ein besonderes Schmankerl ist die X-Newsreader Zeile. Er verwendet den Forte Agent, die registrierte Vollversion eines Windows Programmes. Dies besagt nach normalerweise, daß Hermann ein ehrlicher Mensch ist, denn er hat den Preis für die Shareware bezahlt, wie es sich für anständige Menschen gehört. Außerdem benutzt er Windows, also ein PC-System mit der typischen Lemming-Software. Es würde sich lohnen, Ihn für passende Werbesendungen vorzumerken. Schließlich ist er ehrlich, oder?

    Gefährliche Spuren im Web

    Neben diesen trivialen und offensichtlichen Ansätzen gibt es auch noch ganz bösartige Fallen. So senden einige Web-Browser die E-Mail Adresse des Nutzers mit. Wer das gefahrlos probieren möchte, schaue mal auf http://nike.rz.uni-konstanz.de:8888/
      Referer: https://www.iks-jena.de/mitarb/lutz/anon/linkstat.html#
      User-Agent: Mozilla/3.01 (X11; U; Linux 2.0.33 i586)
      Host: nike.rz.uni-konstanz.de:8888
      Accept: image/gif, image/x-xbitmap, image/jpeg, image/pjpeg, */*
      Via: 1.0 www-cache.iks-jena.de:3128 (Squid/1.NOVM.20)
      X-Forwarded-For: unknown
      Cache-control: Max-age=2592000
    
    In diesem Fall besagt die Ausgabe, daß der Nutzer von der in Referer angegeben Webseite gekommen bin. So ist eine Spurverfolgung über mehrere Rechner kein Problem. Werbung im Web wird über diese Zeile maßgeblich abgerechnet.

    User-Agent gibt an, daß eine alte Version von Netscape (Mozilla) auf einem aktuellen Linux mit Pentium-PC und der graphischen Benutzungsoberfläche X11 benutzt wurde. Dies zeigt dem Marketingspezialisten, daß ich gegen den Strom schwimme. Ein komplexeres Betriebssystem im gepflegten Zustand, also Intresse in technischen Belangen. Jedoch an anderen Stellen mäkelig: Nicht die neuste Version. Vermutlich aus gutem Grund, denn das Betriebssystem ist aktuell. Werbung für Windows Produkte ist hier verfehlt, aber so ein paar teure Gadgets könnten auf Interesse stoßen.

    Der Zugriff erfolgte über einen WWW-Cache. Die ungewöhnliche Version der Software Squid zeigt, daß der Admin, der dieses System betreut sehr sorgfältig arbeitet. Vermutlich ist also das gepflegte Linux-System auch diesem Admin zuzuschreiben. Dann ist der veraltete Browser ein Zeichen von Schlampigkeit und Widerwillen gegen Technik. Es wäre ratsam, von der Gadget Werbung Abstand zu nehmen.

    Der Cache anonymisiert leicht, denn er verrät nicht, für wen er die Anfrage ausführt. Da der Squid noch viel weitergehende Anonymisierungsmöglichkeiten enthält, ist der Admin auf der Hut, aber kommerziellen Interessen erlegen. Eine weitergehende Anonymisierung würde die Marketingspezialisten verärgern.

    Ebenfalls auffällig ist, daß keine Cookies auftauchen. Der Nutzer ist also leicht bis schwer paraniod veranlagt, da er dies abgeschaltet hat. Ihm Werbung zuzusenden könnte böse ins Auge gehen.

    Cookies

    Wenn die Werbeindustrie langfristige Bewegungsprofile von Nutzern anlegen will, so kann sie sich nicht auf diese Spuren verlassen. Firmen wie DoubleClick (www.doubleclick.com) bieten eine einfache Lösung dafür.

    Besucht ein Nutzer eine Webseite, so bekommt er mit der Antwort der Servers auch eine Information 'X-Set-Cookie: text', die den Webbrowser veranlaßt sich diesen Text zu merken. Verbindet sich der Webbrowser zu einer beliebigen späteren Zeit wieder mit diesem Server, so schickt er ohne Aufforderung diesen Text zurück.

    Der Server kann so erkennen, wer sich hier wie über die Informationsmenge bewegt. Damit das übergreifend klappt, wird das Icon von DoubleClick immer vom DoubleClick Server geladen. Mit der Refer: Zeile kann nun DoubleClick eine sehr genaues Kundenprofil erstellen. Kauft man irgendwo ein, oder bestellt sich etwas per Mail, so hat DoubleClick den Personenbezug.

    Diese Daten sind für die Direktmarketingagenturen so wertvoll, daß sich die Firmen wie DoubleClick eine goldene Nase verdienen können.

    Das Gerücht, Cookies können auch Festplatten zerstören oder ausspionieren ist jedoch falsch.

    Gefährliche Spuren bei FTP

    Dateiübertragungen werden immer noch gerne per FTP durchgeführt. Zum Anmelden auf einem FTP Server benötigt man jedoch ein Paßwort. Für den anonymen Zugang hat es sich eingebürgert, die E-Mail Adresse zu verwenden. Damals, als die Netze noch von wenigen bevölkert, die Wiesen noch grün ... Also damals gab es die kommerzielle Nachverwertung fast nirgends und es war ein Gebot der Höflichkeit, den anonymen Zugang nicht anonym zu nutzen.
      Fri Apr 17 01:00:15 1998 1 uranus.central.de 7787
        /pub/mitarb/lutz/teergrube/teergrube.delay.spammer
        b _ o a root@uranus.central.de ftp 0 *
      Fri Apr 17 01:44:49 1998 1 rusxppp139.rus.uni-stuttgart.de 2909
        /pub/mitarb/lutz/crypt/software/pgp/pgp263in/pgp263in.changes
        b _ o a mozilla@ ftp 0 *
    
    Im Logfile kann man schön erkennen, daß ein System sich an die alten Gepflogenheiten hält und den eMail mitsendet. Das andere jedoch nicht. Netscape sendet stattdessen die Pseudoadresse 'mozilla@'. Es gibt mittlerweile auch FTP Server, die auf einer korrekten Adresse bestehen und diese auch überprüfen. So ist die Adresse von Uranus vermutlich nicht gefälscht, da die Verbindung von ebenjenem Rechner kam.
      Fri Apr 17 10:44:55 1998 2 d120.z194-58-231.relcom.ru 302
        /pub/mitarb/lutz/crypt/software/pgp/pgp263in/2.6.3in971006-971007.diff.asc
        b _ o a whoever@microsoft.com ftp 0 *
    
    In diesem Fall ist die Fälschung dagegen offensichtlich, oder?

    Es gibt immer wieder einige Experten, die es tatsächlich hinbekommen, beim Anmelden auf einem FTP Server ihr wirkliches Systempasswort anzugeben. Sie wurden ja nach einem Passwort gefragt! Man kann sich darüber streiten, ob es eigene Dummheit oder Überforderung ist. Die Gefahr bleibt.

    Gefährliche Spuren bei T-Online

    Wer über T-Online angeschlossen ist, hat es besonders schwer. T-Online als Tochter des ehemaligen Monopolisten Deutsche Bundespost arbeitet an sehr vielen Stellen sehr bürokratisch. So werden auf allen Homepages ein Impressum zwangsgesetzt. Wer auf einer Webseite ist braucht nur die Seite '.impressum.html' abzufragen. Dort findet sich:
    • Der volle Name des Nutzers
    • Die komplette Anschrift
    • Die Telefonnummer
    • Die E-Mail Adresse

    Die zusätzlichen AGBs, die das beschreiben sind in einer defekten PDF Datei, also nicht leicht einsehbar, versteckt.

    Auch in den Usenet-News passieren die seltsamsten Dinge. Hier ein Ausschnitt aus einer Diskussion in de.org.ccc.

      From: Corny_K@t-online.de (Nikkon)
      Subject: Experiment!
      Date: 12 Apr 1998 19:30:25 GMT
      
      Hi
      Mich würde mal sehr interessieren was man so auf legaler weise über
      mich und meine Daten herausfinden kann.
      IP,...
    
    Die Antworten kamen stakkatoartig.
      Hmm... mal sehen.
      Also, Dein Internet Provider ist schonmal T-Online.
      Du benutzt als Nickname das kuerzel "corny_k", und gibst vor, dass Dein
      Realname "Nikkon" sei.
      Ausserdem hast Du Deine Nachricht am 12. April 1998 geschrieben.
      Also Du online warst, warst Du auf Port news02.btx.dtag.de Online. Anhand
      der Message ID koennte man dann mit Hilfe der T-Online Logdateien vermutlich
      einiges herausfinden.
      Aber es geht auch so.
      Dein Mailreader ist der "Forte Free Agent" in der Version 1.11/32.235.
      Dein Name ist vermutlich Michael Korn.
      Deine Adresse ist wohl: Rebbergblick 15, 77960 Seelbach, Schutter.
      Die Telephonnummer koennte die 07823 432 sein.
    		       ------------------------------
      Deine Nachbarn heißen Catharina Kolb, Armin Roth und seine Frau Anne
      Roth-Ohnemus. In der gleichen Straße, nur auf der anderen Seite, hat
      Dr. Gerhard Baran seine Tierartzpraxis.
    		       ------------------------------
      DejaNews AuthorProfile verraet noch allerhand mehr ..
      
      Homepage   noch
      schwer im Aufbau ..
    
    Wie die erste Antwort zustande kam, ist bereits erklärt worden, aber wie geht der Rest? Die Telefonnummer schreibt T-Online automatisch und zwangsweise in den Nachrichtenkopf!
      
      X-Sender: 07823432-0001@t-online.de
    
    Damit ist es leicht, entweder eine Telefonbuch-CD zu befragen, oder ganz einfach das Impressum der Homepage abzurufen. Die Nachbarn stehen im Adressbuch. Man kann sogar auf den sozialen Status schließen, indem man die Einwohner pro Hausnummer zusammenzählt.

    DejaNews

    Es wurde DejaNews erwähnt. Was ist das? DejaNews ist ein Suchdienst, der versucht alle Artikel in allen Newsgruppen recherchierbar zu halten. Was bei Geheimdiensten Normalität ist, wird so dem normalen Nutzer ebenfalls ermöglicht. Dejanews biete so ziemlich alle Suchmöglichkeiten, die man sich wünscht. Leider ist die kostenlose, öffentliche Datenbank etwas eingeschränkt. Für einige Dollar ist das aber leicht zu ?dern. Befolgt man den Rat und erstellt ein Autoren Profil für 'Nikkon', so zeigt Dejanews folgendes an:
      99%  de.org.ccc
      42%  de.newusers.questions
      42%  fido.ger.win95
      36%  de.alt.hoerfunk
      36%  de.rec.tv.misc
      30%  de.talk.jugend
      24%  de.alt.geschichten
      24%  de.alt.radio-scanner
      17%  de.etc.bahn.eisenbahn
      17%  de.talk.jokes
      11%  de.comm.mobil.pager
      11%  de.etc.bahn.stadtverkehr
      11%  de.rec.motorroller
      11%  fido.ger.ccc
      11%  fido.ger.isdn
      11%  z-netz.fundgrube.gratis
      11%  z-netz.rechner.ibm.windows.win95
      11%  z-netz.telecom.telefon
      11%  z-netz.wissenschaft.technik
    
    Es ist leicht zu sehen, daß die betreffende Person in letzter Zeit vornehmlich in de.org.ccc, de.newusers.questions und win95er Gruppen aufgetaucht ist. Faßt man die Kategorien zusammen, so ergibt sich die Interessenlage zu:
    - Hacken = Kreativer Umgang mit Technik
    - Motorroller fahren
    - Win95 und ISDN
    - Geschichten und Filme
    Nebenbei ist er noch jung (vermutlich unter 18) und neu im Medium.

    Obwohl die Daten nicht sehr aussagekräftig sind, denn dazu ist eine längere Netzteilnahme notwendig, sollte es doch zum nachdenken anregen. Was wäre, wenn das letzte Ablehnungsschreiben diesen Hintergrund hatte?

    http://www.google.com zu erreichen (Groups).

    Neben DejaNews gibt es auch noch viele andere Newsarchive. Die meisten sind nicht öffentlich und werden von Geheimdiensten oder Firmen betrieben. Als Kuriosität gelten die Babylonischen Purpurdaten. Dieses Newsarchiv wird von Ralph Babel im Taunus betrieben. Um Daten aus den Purpurdaten abzufragen, muß man Ralph öffentlich so bedrängen, daß er nur durch Zitieren des gewünschten Artikels die Anschuldigung von sich weisen kann. Normalerweise wird er jedoch nur die Message-ID zitieren. Dann hilft nur noch, hartnäckig zu bleiben.

    Das vermutlich am weitesten zurückreichende Archiv liegt bei Heiko Schlichting in Berlin: Als zu Beginn der Neuziger eine Newsverbindung zwischen der TU und der FU aufgebaut werden mußte, fuhr man mit dem Fahrrad Streamerkassetten hin und her. Für diese Exabyte Bänder ist heute jedoch kein Lesegerät mehr aufzutreiben.

    Suchmaschinen

    Wer im Netz länger aktiv ist, wird auf irgendeiner Webseite auftauchen, ob zitiert oder selbstgeschrieben. Wer eine Suchmaschine wie Altavista, Hotbot oder sonstige nach seinem Namen befragt kann erstaunliches zutage fördern.

    Praktische jede geschäftliche Begegnung wird in den ersten Kontakten von derartigen Suchaktionen begleitet. Schließlich möchte man ja nicht an einen Scharlatan geraten. Es ist so einfach, zu suchen... aber die Interpretation ist sehr sehr schwer.

    Es kommt häufiger vor, daß man bei der Suche in die Irre läuft. Einige kleinere Firmen gestalten Ihre Webseiten so, daß man auf der Suche nach einer Konkurrenzfirma zu ihnen gelangt. Die Tricks sind einfach, aber wirkungsvoll: Weiße Schrift auf weißem Grund, spezielle Keyword Kopfzeilen auf der HTML Seite etc. pp.

    Wenn man in einer bestimmten Situation sich über eine Ablehnung durch einen Geschäftpartner wundert, so sollte man selbst mal schauen, wie die Suchmaschinen das eigene Selbst darstellen. Inzwischen ist das World Wide Web schon so weit kommerzialisiert, daß der Verursacher juristisch belangt werden kann.

    Diese juristischen Schritte werden aber vorwiegend gerne von den Haien und Hechten im Geschäft angestrengt. So kann es dem Durchschnittsbenutzer schon mal passieren, daß er eine Abmahnung erhält. Die Gründe können so vielfältig wie dumm sein. Es genügt manchmal schon, einen bekannten Firmennamen (in einem ganz anderen Zusammenhang und keinesfalls mit Hintergedanken) auf der Webseite zu haben. Wenn diese Webseite bekannt ist, also von vielen anderen verlinkt wurde, dann kann sie in der Wertung der Suchmaschine die eigentliche Firmenseiten übertrumpfen. Das läßt sich kaum eine große Firma bieten.

    Es gibt allerdings auch Fälle, in denen man vorsätzlich persönlich angegriffen wird. So führen Linksextreme in den USA eine Liste von Leuten, die sie für Nazis halten. Da ich irgendwann einmal in einer Abstimmung für die Newsgruppe rec.music.white-power gestimmt habe (um die Gruppe rec.music.misc zu entlasten), stehe ich auch auf dieser Liste. Gegen Dummheit ist einfach kein Kraut gewachsen. Allerdings können nur wenige Personalchefs das wirklich begreifen. Es bleibt nur die Hoffnung auf einen Generationswechsel in diesen Büros.

    Chat und IRC

    In der Werbung heißt es stets: 'Anarchie und Freiheit. Spaß im Netz.' Dieser Spruch hat in keinem Bereich so viel Wirkung gezeigt, wie im IRC, dem Internet Relay Chat. Da Chat eine live, also online, Angelegenheit ist, ist dem Chatserver die IP Adresse bekannt.

    Darüberhinaus erhält der Chatserver auch die E-Mailadresse und den Namen. Da diese Daten aber jedem Chatteilnehmer zur Verfügung stehen, ist es selbstverständlich, daß auch hier Firmen diese Daten auswerten.

    Deshalb und weil die E-Mailadresse technisch nicht notwendig ist (im Gegensatz zu Mail und News), findet man hier viele gefälsche Adressen. Mit einem Pseudonym sinkt aber gleichzeitig die Hemmschwelle der von der Werbung geköderten Neulinge, so daß das Medium Chat stark verkommen ist. Es geht zu wie im Kindergarten. Da aber die IP Adresse bekannt ist, bleibt die Anonymität im Chat ein Traum.

    Was tun?

    So schlimm es kingt, was kann man nun wirklich tun? E-Mail sollte man immer verschlüsseln. Will man anonym Mail versenden, so muß man anonyme Remailer benutzen.

    In den Usenet News sollte man immer daran denken, daß man einem öffentlichen Medium angehört und sich entsprechend verhalten. Will man trotzdem etwas kritisches oder heikles ansprechen, so benutzt man auch hier anonyme oder pseudonyme Remailer.

    Wer im World Wide Web richtig nicht alles herausposaunen will, sollte seinen Provider nach einem Anonymisierenden Proxy fragen. Der Squid hat standardmäßig die Einstellungen Anonym Ja/Nein und Paranoid.

    Der Text unterliegt nach Abdruck der GNU Public License.

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    Copyright © FH München, FB 04, Prof. Jürgen Plate
    Letzte Aktualisierung: 07. Oct 2004