3 Internet-Zugang und E-Commerce

"Man kann die Menschen in zwei
Kategorien einteilen. Solche, die
Zugang zum Netz haben, und solche,
die keinen haben."
Harley Hahn: A Students Guide to Unix.

Wenn man Uni-, TU- oder FH-Angehöriger ist, stellt der Zugang kein Problem dar, man muß nur den Zuständigen für die Netzanbindung finden. Wenn man Mitarbeiter einer Firma ist, kann man ebensoviel Glück haben (insbesondere, wenn es eine Computerfirma ist).
Wenn beide Fälle für Sie nicht zutreffen, bleiben zwei Wege: Entweder, Sie überzeugen die Geschäftsleitung Ihrer Firma von den Vorteilen eines Internet-Zugangs oder Sie suchen sich einen Privatzugang. Das kann über sogenannte 'Service-Provider' oder Online-Dienste (z. B. auch AOL, T-Online) geschehen. Provider gibt es in nahezu jeder größeren Stadt und wer auf Reisen ist und nur kurz seine E-Mail lesen will, kann auch einen der 'Internet-by-call'-Anbieter in Anspruch nehmen, bei denen keine ANmeldung notwendig ist, weil die Abrechnung der Dienstleistung über die Telefongebühren erfolgt. Wer nur einmal schnuppern will, kann auch eines der vielen Internet-Cafes besuchen.

3.1 Die verschieden Arten des Zugangs

In Kapitel 1 wurde definiert, daß ein Rechner allgemein dann als zum Internet gehörend angesehen wird, wenn:

  • er mit anderen Rechnern über TCP/IP kommunizieren kann
  • er eine Netzadresse (IP-Nummer, siehe unten) besitzt
  • er mit anderen Rechnern kommunizieren kann, die eine Netzadresse haben

Man kann die Zugehörigkeit zum Internet aber noch etwas weiter klassifizieren. RFC 1775 unterscheidet vier verschiedene Arten/Stufen des Internet-Zugangs:

  1. Full Access
    Der Rechner ist über Standleitung angebunden und arbeitet als Client und Server. Der Benutzer kann alles was denkbar ist. In der Regel nur für Hochschulen und Firmen realisierbar. Notwendig, wenn man Informationsanbieter werden will.

  2. Client Access
    Der Rechner hat einen Einwähl-Zugang über Telefonleitung (Modem), ISDN oder DSL (Digital Subscriber Line, z. B. T-DSL). Es wird ein serielles Internet-Protokoll verwendet (SLIP/PPP). Der Rechner verwendet eine passende Software-Schnittstelle des Betriebssystems (z. B. das DFÜ-Netzwerk bei Windows) und ist nur solangen im Netz präsent, wie die Wählverbindung besteht. Für Firmen mit rein passiver Nutzung (z.B. E-Mail empfangen und versenden) und den Privatmann ist dieser Zugang interessant. Bei ISDN und DSL ist der Übergang zum 'Full Access' gleitend, da hier die Leitung innerhalb von Sekunden steht.

  3. Mediated Access
    Der Benutzer hat einen Online-Account. Auf dem lokalen Computer läuft ein Terminalprogramm, mit dessen Hilfe eine temporäre Verbindung zum Provider über Telefonleitung (Modem), ISDN oder DSL unterhalten wird. Das System verhält sich wie ein Terminal am eigentlichen Internet-Rechner. Zusätzlich ist meist ein Datentransfer möglich. Für Firmen, die nur E-Mail betreiben und den Privatmann. WWW-Zugang kann meist nur im Textmodus erfolgen. Ein früher häfiger, heute eher seltener Fall.

  4. Messaging Access
    Es handelt sich um einen Teilzugang für E-Mail und News. Die Nachrichten werden offline erstellt bzw. gelesen. Die Daten werden dann als Block zu einen fernen Rechner übertragen (per Modem oder ISDN). Das Protokoll ist meist UUCP (Unix-to-Unix-Copy). Das funktioniert aber sogar noch im finstersten Urwald (sofern man sein Satellitentelefon dabei hat).

    Nicht alle Formen des Zugangs lassen sich leicht in die o. g. Gruppen leicht einordnen. Beispielsweise bietet die Telekom seit September 95 über T-Online einen Zugang zum Internet für WWW und E-Mail - sofern man die spezielle Zugangssoftware von T-Online benutzt. Da aber eine PPP-Verbindung aufgebaut wird, kann man mit externen Programmen auf alle Dienste, z. B. FTP oder IRC zugreifen. Das ist einerseits ein Mediated Access (T-Online-Software), andereseits ein Client Access (andere Software).

    Der Messaging Access ist übrigens gar nicht so schlecht, wie man zunächst denken mag. Es gibt etliche Rechner, welche andere Internet-Dienste über E-Mail anbieten. So kann man sich z. B. von manchen FTP-Servern Dateien per E-Mail schicken lassen, wenn man FTP nicht nutzen kann. Selbst Gopher- oder WWW-Dokumente kann man sich so schicken lassen und dann auf dem lokalen Rechner ansehen.

    Man kann den Zugang noch nach der Dauer der Verbindung klassifizieren:

    • Wählleitung (Telefonverbindung): über Einwahlknoten zu Provider, wie unten beschrieben. Einge Provider bieten als sogenannte "Flatrate" einen Wählzugang zum monaltichen Pauschaltarif an.
    • Standleitung: direkter Zugang, z. B. über Hochschulen, Forschungseinrichtungen, große Firmen oder Provider. Die Kosten für eine Standleitung der Telekom liegen teilweise unter den Gebühren einer Wählleitung bei intensiver Nutzung. Der Provider muß aber eine Standleitung unterstützen.
    Typische Geschwindigkeiten für Verbindungen:
    • 28,8 kb/s bis 57,6 kb/s bei schnellen Modemverbindung
    • 64 kb/s oder 128 kb/s (ISDN)
    • 2 Mb/s bis 34 Mb/s über Provider

    3.2 Internet-Provider

    Ein Anteil der Internet-Kosten wird derzeit noch von Regierungsstellen und Hochschulen bezahlt wird. Es gibt aber inzwischen viele kommerzielle Netzbetreiber, sogenannte 'Provider', die natürlich für Leitungskosten, etc. bezahlen müssen und diese Kosten an den Kunden weitergeben. In den USA werden mittlerweile mehr als die Hälfte der Internet-Kosten von kommerziellen Organisationen getragen. Man kann unterscheiden zwischen:
    • Vereine für private Anwender
    • Kommerzielle Provider für private und kommerzielle Anwender
    • DFN-Verein (Deutsches Forschungsnetz) als Betreiber des Wissenschaftsnetzes

    Je nach Provider zahlt man entweder für die Online-Zeit oder für das transportierte Datenvolumen. Hinzu kommen die Telefonkosten für die Modem- oder ISDN-Verbindung zum Provider. Dieser sollte sich darum im Nahbereich befinden. Viele Provider unterhalten mehrere Einwählpunkte in ganz Deutschland (POP Point Of Presence).
    Die Kosten liegen zwischen ca. 15 Mark/Monat (E-Mail, WWW und News) bis hin zu mehreren tausend Mark (Standleitung). Mittlerweile gibt es auch Angebote, bei denen die Oline-Zeit und die Telefonkosten über einen einzigen Minuten-Tarif abgerechnet werden. Für Vielsurfer sind die 'Flat-Rate'-Angebote interessant. Hier werden Verbindungskosten und Online-Gebühren über eine Monarspauschale abgegolten. Aber Vorsicht: Je nach Anbieter gibt es trotzdem Einschränkungen, z. B. darf nur ein einziger Computer online sein oder es sind nur Privatkunden zugelassen. Bei manchen Angeboten ist die Gesamt-Onlinezeit pro Monat begrenzt, andere schalten aus technischen Gründen einmal alle 24 Stunden offline.

    Einige Unterschiede zwischen Providern

    • Preis
      • Grundgebühr für die Bereitstellung des Zugangs
      • Gebühr für die Dauer einer Verbindung
      • Gebühr für übertragenes Volumen
      • Pauschale, ggf. sogar inklusive der Telefongebühren
    • Geschwindigkeit
      • Anzahl und Geschwindigkeit der Leitungen in Deutschland
      • Anzahl und Geschwindigkeit der Übergangspunkte zu übergeordneten Providern in anderen Ländern
    • Qualität
      • Zuverlässigkeit
      • Stabilität
      • Lastverteilung
      • Verfügbarkeit
    • Zusatzleistungen
      • Bereitstellung einer Mailadresse und eines Postfaches
      • Bereitstellung eines Domain-Namens
      • Bereitstellung von Webspace
      • FTP-Zugriff
      • Shell-Zugriff
    • Dienstleistungen
      • Bereitstellung von Software
      • Erstellen von Web-Seiten
      • Datenbankanbindung, Softwareerstellung
      • Server-Hosting
      • Hilfe bei Problemen

    3.3 Hardware, Software und Betriebssysteme

    Der Privatanwender wird meist mit einem Wählanschluß die Verbindung zum Internet aufnehmen. Was ist dazu nötig?
    1. Computer:
      Grundsätzlich ist die Teilnahme am Internet nicht an bestimmte Computer oder Betriebssysteme gebunden. Es ist nur so, daß es auch manchen Systemen einfacher geht, als auf anderen. So sind z. B. Unix- und Linux-Workstations von vorne herein mit Software für TCP/IP und Internet-Dienste ausgerüstet.
    2. Modem oder ISDN-Karte:
      Beide Methoden sind heute nahezu gleichwertig. Man richtet sich da nach der installierten Telefon-Einrichtung. Für ISDN genügt eine passive ISDN-Karte (z. B. die AVM Fritz-Karte). Bei Modems ist eine ?ertragungsgeschwindigkeit von 56 kBit/s nach dem V.90 Standard zu empfehlen, auch wenn man nicht immer die volle Geschwindigkeit erreicht.
    3. Provider:
      Der Provider stellt Zugangskennung sowie Telefonnummer zur Einwahl und damit den Anschluss an das Internet zur Verfügung (siehe oben).
    4. Software zur Verbindung mit dem Internet:
      Bei Windows 95/98/NT ist das erforderliche DFÜ-Netzwerk bereits im Betriebssystem vorhanden (winsock.dll). Die Installation dieser Software ist manchmal etwas knifflig. Ebenso gibt es passende Tools für den Mac von Apple. Auch für exotischere Systeme (IBM OS/2, Commodore Amiga, etc.) gibt es etwas. Generell geben hier auch die Provider Tips oder bieten passende Softwarepakete an. Sobald die Software zur Einwahl funktioniert, besteht eine SLIP- (Serial Line Internet Protocol) oder PPP- (Point to Point Protocol) Verbindung, d.h.:
      • Vom Provider wurde eine temporäre IP-Adresse zugeteilt.
      • Der lokale Rechner funktioniert so, als wäre er fest mit dem Internet verbunden.
      Standleitungsverbindungen und Großrechneranbindungen erforden vielfältige und teilweise spezielle Maßnahmen, hier kann ich keine allgemeinen Hinweise geben.
    5. Software zur Nutzung von Internet-Diensten:
      Aufruf eines Programmes zur Nutzung von Internet-Diensten, z. B. einen Browser für WWW, einen FTP-Clienten, ein E-Mail-Programm, usw. Einfache Programme für Telnet, FTP, Ping, Traceroute sind bereits in Windows enthalten, ebenso der Internet-Explorer (Browser). Komfortablere Software findet man im Freeware- und Sharewareangebot. Auch bei Linux sind alle notwendigen Clients bei allen Distributionen dabei.

    Dünner ist die Software-Decke, wenn man Anbieter werden will, z. B. selbst WWW-Seiten oder FTP-Dienste anbieten. Dann muß die Leitung zum Provider zumindest eine ISDN-Verbindung sein (entweder permanent oder 'on demand'). Für den Windows NT Server gibt es das Back-Office-Paket. Ideal ist für einen Anbieter-Rechner jedoch das Betriebssystem Unix. Es handelt sich um ein Multiuser- und Multitasking-Betriebssystem, das auch entsprechende Sicherheitskomponenten enthält. Zudem ist die Entwicklung des Internets eng mit der Entwicklung von Unix verbunden. Inzwischen gibt es auch zwei frei erhältliche Unix-Systeme, 'Linux' und 'Free BSD', die stabil laufen und alles bieten, was das Herz begehrt. Nicht zuletzt wegen der freien Verfügbarkeit der Programmquellen sind diese Betriebssysteme auch bei den Internet-Provider sehr beliebt. Wer als Anbieter mehr als nur statische Seitenangebote machen will (z. B. Datenbankanbindung, Fax-Gateway usw.), sollte sich mit Linux vertraut machen. Übrigens - so schwer, wie manche Leute sagen, ist die Bedienung von Unix gar nicht zu erlernen.

    3.4 Verhalten im Internet

    Da das Internet ein 'Netz der Netze' ist, gibt es von Region zu Region unterschiedliche Benutzungsregeln, die den Gebrauch bestimmen. Große Teile des Internets werden von der öffentlichen Hand bezahlt, so daß z. B. der kommerzielle Gebrauch dieser Netze von vorneherein beschränkt sein muß. Das Deutsche Wissenschaftsnetz WiN, betrieben von der Deutschen Bundespost Telekom, wird bezahlt vom Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN-Verein) durch die Anschlußgebühren, die Mitglieder des Vereins entrichten. Finanziert wird der Verein hauptsächlich durch das Bundesforschungsministerium und die Beiträge seiner Mitglieder. Das sind zum größten Teil die deutschen Universitäten, aber auch Forschungsabteilungen von Firmen. Der Gebrauch des WiN ist also zu Forschungszwecken auch kommerziellen Einrichtungen erlaubt. Rein kommerzielle Zwecke wie Werbung, Angebots- und Rechnungsstellung sind dagegen im WiN nicht gestattet. Die Grauzone ist hier natürlich beliebig groß. Ähnliche Strukturen findet man überall im Internet. So wurde in den USA vor ein paar Jahren beschlossen, die bis zu diesem Zeitpunkt parallel gefahrenen Netzwerke jeder Bundesbehörde im Bereich Lehre und Forschung (NFSNET, NASA Science Internet, ...) zusammenzulegen, um das NREN zu bilden (National Research and Education Network). Das Netz darf zu Zwecken der Forschung und Lehre oder der Unterstützung der Forschung und Lehre verwendet werden. Dieser zweite Teil ist sehr wichtig, da er Firmen erlaubt, Kundenkontakte zu Forschungsinstitutionen zu pflegen. Aber nicht nur die öffentlichen Investitionen zählen hier, sondern auch der Arbeitsaufwand und Kreativität von Fachleuten sowohl im öffentlichen Bereich als auch in der Wirtschaft. So dauern beispielsweise die Abstimmungsprozesse in der internationalen Standardisierung seit mehreren Jahrzehnten an. Dazu kommt die tagtägliche sorgfältige Pflegearbeit im weltweiten Verbund.

    Auch für den einzelnen, 'authorisierten' Benutzer gibt es einige Dinge beim Gebrauch des Netzes zu beachten. Der Aufbau des Internet läßt sehr viel Raum für Individualismus, birgt aber gleichzeitig auch viele Gefahren für Mißbrauch. Die Nutzung des Netzes unterliegt daher rechtlichen und ethischen Grundsätzen. So selbstverständlich, wie manche meinen, ist der freie Zugang zum Internet nämlich nicht. Nicht immer ist die persönlich optimale Nutzung auch global optimal. Gerade mit der derzeit rapide wachsende Zahl der Internet-Nutzer kann der Ausbau der Netz-Infrastruktur nicht immer Schritt halten. Jeder Teilnehmer sollte darauf achten, daß die Netzbelastung in vertretbaren Grenzen bleibt. Der Mißbrauch selbst durch eine kleine Gruppe von Netznutzern könnte das Ansehen der Netze in ihrer Gesamtheit schädigen. Die Netze sind relativ einfach zu nutzen: Mit nur wenigen Kommandos kann ein Datentransfer rund um den Globus oder ein Nachrichtenaustausch mit einer großen Zahl von Partnern ausgelöst werden. Leicht verkennt der Nutzer die Komplexität der von ihm ausgelösten Netzaktivitäten. Er sollte daher vorsichtig mit Netzaufrufen umgehen. Ein Beispiel für leichtfertigen Gebrauch stellt die Vergeudung von Ressourcen durch einen zwar autorisierten, aber unbedachten Umgang mit den Netzdiensten dar; dies gilt insbesondere für den Abruf von Daten aus den USA, wenn diese in Deutschland bereits verfügbar sind.
    Formen einer unsachgemäßen Nutzung sind:

    • der Versuch, ohne ausdrückliche Autorisierung Zugang zu Netzdiensten - welcher Art auch immer - zu erlangen
    • die Verletzung der Integrität von Informationen, die über die Netze verfügbar sind
    • d er Eingriff in die individuelle Arbeitsumgebung eines Netznutzers
    • jede Art des Mithörens von Datenübermittlungen, des Stöberns in fremden Datenbeständen oder der Weitergabe von unabsichtlich erhaltenen Angaben über Rechner und Personen
    • Unbeabsichtigte, exzessive Nutzung des Netzwerkes durch fehlerhafte oder unangepaßte Anwendungen. Beispiele hierzu sind:
      • Unendlich sich wiederholende Abfragen an Server mit falschen Adressen
      • Einbinden von fremden Dateisystemen in das eigene über WAN mit NFS
      • Intensives Betreiben von Netzwerkspielen
    • Moralisch verwerfliche Nutzung durch:
      • Verbreitung gewaltverherrlichenden oder diskriminierenden Gedankengutes
      • Verbreitung sexistischen Materials

    Vielfach führen die Anwendungen zu einer Belastung des Netzes, die von anderen Netzwerkbenutzern oder den Systemverwaltern nicht unbemerkt bleibt. In der Regel folgt eine freundliche Mitteilung an den Verursacher, die störende Netznutzung zu unterlassen. Falls keine Reaktion erfolgt, wird man sich noch öfters bemühen, mit dem Nutzer ins Gespräch zu kommen, bis vom zuständigen Systemverwalter der Zugang zum Internet für diesen Nutzer im Interesse der anderen gesperrt werden muß. Zum Schluß einige Verhaltensregeln:

    • Schützen Sie den Zugang zu Ihrem Rechner, indem Sie ihr(e) Paßwort(e) geheim halten und regelmäßig wechseln.
    • Beachten Sie die Verhältnismäßigkeit Ihres Tuns in Hinblick auf den zu erreichenden Zweck.
    • Trotz allem sind Störungen nicht auszuschließen. Üben Sie daher die nötige Toleranz.

    3.5 Kommerz im Internet

    Landauf, landab wird den Entscheidern in den Unternehmen erzählt, wie wichtig es ist, sich auf Online-Kommunikation vorzubereiten (richtig!), daß man mit Internet sehr einfach Geld verdienen kann (falsch!), weil 100 Millionen Internet-Benutzer nur darauf warten, auf den multimedialen WWW-Seiten der Unternehmen Geld auszugeben (auwei!). Auch auf die Gefahr hin, als Spielverderber zu gelten, zunächst ein paar Warnungen und dann die positiven Seiten:

    3.5.1 Warnungen (was nicht geht)

    • Das Internet ist aus einer anarchischen Goodwill-Struktur auf Gegenseitigkeit entstanden. Auch wenn es heute so scheint, als seien die kommerziellen Anwendungen der primäre Inhalt des Internet, so täscht das. Wie schom im ersten Kapitel gesagt, sollte man Internet (das Transportmedium) und WWW (einer von vielen Internet-Diensten) nicht in einen Topf werfen. Wer hier besonders schlau sein will, bekommt schnell Ärger. Aktive Werbung hat im Internet (speziell in den Newsgruppen oder als E-Mail) etwa das gleiche Image wie Kakerlaken: Man meidet sie, wo man kann, die Initiatoren werden bestenfalls geächtet, schlimmstenfalls beschimpft und bekämpft. Das liegt auch daran, daß noch immer viele Teilnehmer das Datenvolumen oder die Übertragungszeit bezahlen müssen - also auch die unverlangt zugesandte Werbung.

    • Das Internet ist noch nicht besonders gut darauf ausgelegt, Geldgeschäfte zu tätigen. Näheres dazu weiter unten.

    • Das 'World Wide Web' ist zwar theoretisch multimedial, bleibt aber im Kern eine Hyperlink-Oberfläche eines für Textübertragung ausgelegten Netzes. Die in den Text eingestreuten Bildchen und Animationen ändern auch nichts an dieser Tatsache. Große Bilder und Textdateien erfordern für nicht optimal angebundene Teilnehmer lange Übertragungszeiten und machen so die WWW-Seiten uninteressant.

    3.5.2 Vorteile der Internet-Nutzung:

    • Über E-Mail kann man schnell und einfach mit Kollegen und Kunden kommunizieren. Im Gegensatz zum Fax kann der Empfänger die Daten gleich im Computer weiterverarbeiten. Je mehr Firmen über E-Mail erreichbar sind, desto höher ist die Chance, per E-Mail Bestellungen (Ein- und Verkauf) abzuwickeln. Vertreter können per E-Mail mit der Zentrale in Kontakt bleiben. Bei Internationalen Firmen entfällt das Problem der Zeitverschiebung.
    • Supportleistungen sind schnell an den Kunden zu bringen (E-Mail, FTP- oder WWW-Server). Aber Vorsicht, ein schlecht gepflegtes Angebot schadet mehr als gar keines. Das Netz bietet die Möglichkeit, eigene Informationen zu veröffentlichen.
    • Durch Beobachten des Netzes können Koperationspartner oder auch neue Entwicklungen erkannt werden. Zahllose WWW- und FTP-Server bieten Software aller Art (auch als Quelle) und massenhaft Dokumente.
    • Die Geschwindigkeit, mit der Informationen verbreitet werden können, läßt sich von keinem anderen Medium erreichen. Sobald die Info auf dem eigenen WWW- oder FTP-Server bereitliegt, ist sie auch weltweit abrufbar.

    3.5.3 Tips für Internet-Unternehmer

    • Schauen Sie sich an, was der Mitbewerber so treibt.
    • Holen Sie Angebote von verschiedenen Providern ein. Manchmal ist eine höhere Monatspauschale günstiger, als eine Rechnungstellung nach Zeit oder tatsächlich übertragenen Daten.
    • Es reicht nicht, sich im Netz zu präsentieren. Wichtig sind:
      • ansprechende, speicheroptimierte WWW-Seiten (keine Riesenbilder)
      • stimmiges, durchgängiges Konzept
      • gute Öffentlichkeitsarbeit
      • passendes Umfeld
    • Ist die Homepage fertig, dann sollte man sie bei allen einschlägigen Suchmaschinen und -Verzeichnissen registrieren.
    • Online-Seiten leben von der laufenden Aktualisierung.
    • Auf Anfragen sofort reagieren, sonst ist der Kunde enttäuscht (z. B. E-Mails innerhalb eines Tages beantworten).
    • Pfusch am Anfang rächt sich

    3.5.4 Electronic Commerce

    Da alle Datenpäckchen, die durch die weite Welt reisen, von jedermann abgehört werden können, ist die Weitergabe von beispielsweise Keditkartendaten nicht zu empfehlen. Wobei auch hier manchmal übertrieben wird, auch ein Kellner kann mit Ihrer Kreditkarte ein paar Blankobelege herstellen und er hat sogar ein Unterschriftsmuster zum Nachmachen.

    Bis Ende 2000 gibt es in Deutschland mehr als 20000 Unternehmen mit Standleitungsanschluß ans Internet. BEi allen Formen des E-Commerce kommt der sicheren Datenübertragung im Netz eine besondere Bedeutung zu.

    Unter "Electronic Commerce" versteht man Handel und Dienstleistungen aller Art über das Internet. Unterschieden werden dabei unter anderem folgende Bereiche:

    • Electronic Banking
      Im Juni 1998 wurden 3.5 Millionen von insgesamt 80 Millionen Girokonten in Deutschland online verwaltet, davon 93% bei T-Online. Verwendete Sicherungstechniken:
      • Geschlossenes Netz: T-Online ist ein Online-Dienst mit eigenem Angebot (Mailboxsystem). Die Daten gehen nicht ins allgemeine Internet. Homebanking erfolgt mit einer eigenen Bedienoberfläche.
      • HBCI 2.0: Java-Anwendung, integriert in die Verfahren der Deutschen Bank, der Bank 24, der Landesgirokasse Stuttgart u.a.
      • Verschlüsselung: Die Hypovereinsbank hat eine offizielle Ausfuhrgenehmigung der US Regierung für eine 128-Bit-Verschlüsselung, realisiert mit ActiveX Controls.
      • Spezialsysteme, in der Regel Eigenentwicklungen: z.B. SafePassage-Proxy bei der Commerzbank oder eine Sammlung zertifiziertzer Active-X Skripten bei der HypoVereinsbank.
      Gemeinsam sind fast allen Verfahren die Verwendung von PIN (Personal Identification Number) und TAN (Transaction Number), ansonsten sind sie nicht kompatibel. Lösungen, die umfangreiche Softwarekomponenten auf den Heimrechner transportieren, setzen entspechend lange Login-Zeiten voraus. Oft genügt ein einmaliger Download der entsprechenden Software. Eine Transaktion kann schlimmstensfalls teurer werden als bei der herkömmlichen Bank um die Ecke.

    • Electronic Cash
      Hier existieren verschiedene nicht miteinander kompatible Verfahren, z. B. Cybercash oder E-Cash. Die "anonyme" Buchung von Bargeld auf einer Chipkarte fällt nicht unter den Begriff E-Cash.

    • Business-to-Consumer B2C
      Unter B2C versteht man alle E-Commerce-Beziehungen zwischen kommerziellen Anbietern und Endbenutzern. Typische Bereiche, in welchen sich für Endbenutzer signifikante Vorteile gegenüber traditionellen Handelsformen ergeben, sind die Auswahl und der Verkauf von
      • Tickets und Reservierungen,
      • Modeartikeln (z. B. Kleidung, Schuhe, Accessoires),
      • Telekommunikationsgeräten,
      • Geschenkartikeln im weitesten Sinne.
      Bei Internet-Auktionen werden via WWW von beliebigen Endbenutzern die Daten eines zu verkaufenden Gegenstandes (oder einer Dienstleistung) auf einer Web-Seite eingetragen. Der betreffende Web-Server wird als kommerzielle Seite von einem Internet-Auktionshaus bereitgestellt.
      Beim Power Shopping werden im WWW die Kaufwünsche von vielen Endbenutzern gesammelt und dann zur Erzielung eines niedrigeren Preises gebündelt an den Anbieter eines Produktes geleitet.
      Die Internet-Marktforschung ist derzeit ein schnell wachsendes Anwendungsgebiet mit hohem Potential. Vergleiche aus der Medienbranche zeigen, daß dabei die Umfrage per Internet Resultate ergibt, die nahezu identisch denen einer klassischen Befragung sind.
      Neben der Abwicklung von einfachen Bankgeschäften (Internet-Banking, s. o.) ist der Wertpapierhandel über das Internet von Bedeutung, der von Banken ebenso wie von spezialisierten Discount-Brokern angeboten wird.

    • Business-to-Business B2B
      Unter B2B versteht man alle E-Commerce-Beziehungen zwischen kommerziellen Anbietern und Nutzern ohne Einbeziehung von Endverbrauchern.

      Electronic Data Interchange EDI ist die Sammelbezeichnung für den Datenaustausch zwischen den EDV-Anlagen von Unternehmen. Bei der elektronischen Beschaffung (E-Procurement) handelt es sich um die Intemet-basierte Beschaffung von Waren aller Art für die Zwecke von Firmen. Dabei können bis zu 80% des Beschaffungsaufwandes eingespart werden.
      Application Service Provider sind Firmen, die bestimmte EDV-Anwendungen im Internet professionellen Kunden zur Verfügung stellen, welche diese sonst aus Kosten- oder anderen Gründen nicht realisieren würden. Auf diese Weise können z. B. kleine und mittlere Unternehmen CAD-Systeme nach dem Stand der Technik benutzen. Mitarbeiterschulung im Intranet (Teleteaching) ist in Firmen ein wachsender Bereich, da hiermit die Organisationskosten der Schulung drastisch reduziert werden können.

    3.6 Die eigene Homepage

    Erfreulich ist, daß nicht nur Firmen, sondern auch jeder Privatmann sein Image mit einem WWW-Server pflegen kann. Teuer ist so etwas nur, wenn man gleich seine eigene Domain (wie z. B. 'microsoft.com' oder 'netzmafia.de') haben möchte.

    Ob sich die Präsentation der eigenen Person oder vielleicht des eigenen Hobbys mit den Präsentationen großer Firmen messen kann, hängt von der Phantasie und den Fähigkeiten des einzelnen ab. Für die ersten Schritte ist es sowieso günstiger, sich unter die Fittiche eines Providers zu begeben. Da ein WWW-Server rund um die Uhr im Netz verfügbar sein muß, sind auch die Anfangsinvestitionen (Rechner, Netzanbindung etc.) und auch die monatlichen Belastungen für eine Standleitung recht hoch. Die meisten Provider bieten einen Platz auf ihrem WWW-Server zu einer Monatspauschale an. Man muß sich nicht um die Rechnertechnik kümmern und kann sich voll auf die Gestaltung des Angebots konzentrieren. So beschränkt sich die Investition auf den Modem- oder ISDN-Zugang zum Provider, da man sich ja nur zur Datenpflege einloggen muß. Die Provider können in der Regel auch die Domain handhaben (der Fachbegriff dafür ist 'Multihoming' oder 'virtual host'). Wer speziellere Dinge vorhat, beispielsweise Datenbankabfragen über WWW, kann bei den meisten Providern ein eigenes Rechnersystem aufstellen und spart so zumindest die Standleitungskosten.

    Für Sie stellt sich die Frage, wie Sie Ihr Unternehmen am besten präsentieren. Zunächst werden Sie potentielle Kunden mit einem sauber aufbereiteten Angebot locken. Dazu gehört eine ansprechende Gestaltung der WWW-Seiten mit einer einheitlichen Linie - ein roter Faden, der sich in Erscheinungsbild und Benutzerführung durch das gesamte Angebot zieht. Statt mit einem Riesenmenü zu beginnen und dann nach dem ersten Link nur ein Baustellenschild zu zeigen ('Diese Seite befindet sich noch im Aufbau'), läßt man besser die Menüpunkte weg, bis man handfeste Informationen bieten kann. Damit interessierte Web-Surfer nicht gleich wieder verschwinden, muß das Informationsangebot möglichst vielfältig und aktuell sein.


    Copyright © Prof. Jürgen Plate, Fachhochschule München