7 Gefahren auf Anwenderseite

7.1 E-Mail-Viren - gibt es sowas?

Neulinge im Netz werden öfters erschreckt durch die Meldung, daß man keinesfalls eine E-Mail mit dem Betreff "Good Times" (oder auch einem anderen Subject) lesen soll, da sonst ein Virusprogramm auf den Rechner gelangt. Das stimmt natürlich nicht. Durch alleiniges Lesen einer E-Mail kann meist nichts passieren. Leider sind einige Betriebssysteme und E-Mail-Programme inziwischen so angreifbar geworden, daß schon beim Öffen der E-Mail ein in der Mail enthaltener Programmcode zur Ausführung gelangt. Da hilft es nur, auf andere Programme auszuweichen.
Anders verhält es sich, wenn diese E-Mail eine angehängte Datei ("Attachment") mit sich führt. Diese Datei kann sehr wohl Gefahren mit sich bringen:
  • Wenn es sich um eine ausführbares Programm handelt, besteht die Möglichkeit, daß dieses Programm Viren enthält - nicht anders, als wenn Sie das Programm auf Diskette erhalten hätten.
  • Bei Winword-Dokumenten können sich im Dokumen sogenannte "Makroviren" verbergen. Das sind Word-Makros mit schädlichen Funktionen, die gegebenenfalls automatisch aktiviert werden, wenn Sie das Dokument mit Winword öffnen.
    Zu dieser Gruppe gehört z. B. auch das Melissa-Virus, das sich die Adressendatenbank von Outlook schnappt und sich selbst an alle dort aufgeführten Adressen schicht. Da nun Sie als Absender in den Mails stehen, bekomen Sie wohlmöglich auch noch den Zorn der Empfänger ab. Melissa war erkennbar durch den Registry-Eintrag "HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Office\Melissa?".
    Melissa und ähnliche Viren führen dazu, daß man nicht nur Mails von unbekannten Absendern mißtrauen muß, sondern auch solchen von Bekannten.
    Ähnliches gilt auch für andere Anwendung mit Skriptsprache, z. B. Excel. Die Problematik bei Microsoft besteht unter anderem darin, daß beispielsweise der Internet-Explorer andere Microsoft-Applikationen grundsätzlich als vertrauenswürdig betrachtet und daher auch keine Warnung erfolgt.
  • Dateien im PDF-Format können auch gefährliche Inhalte haben. Der Acrobat-Reader zum Betrachten der Dokumente kann auch beliebige Kommandos auf dem PC starten. Diese Kommandos können sich hinter harmlosen Buttons verbergen (z. B. "Zurück zum Inhalt").
Es gibt noch ein paar andere Sorten von E-Mail, die zwar nicht gefährlich, aber doch lästig sind. Wie bei der Briefpost kommen mit der Zeit auch Werbe-E-Mails, welche die Mailbox verstopfen. Die zweite Sorte sind Kettenbriefe wie man sie auch seit vielen Jahren kennt. Meist tragen sie ein Subject der Art "MAKE MONEY FAST". Schließlich geistern seit jahrzehnten herzerweichende E-Mails durch das Netz, die von einem krebskranken Jungen erzählen (z. B. Craig Shergold), der gerne noch ins Guinness-Buch der Rekorde kommen möchte und dem man deshalb eine Postkarte oder Visitenkarte schicken soll. Tun Sie das nicht, denn entweder ist der Kleine schon 30 - 40 Jahre alt oder längst verstorben.

Wie war das mit "I Love You"?

  • Eine Textdatei mit einigen wenigen Ablaufbefehlen für die Programmiersprache Visual Basic erschütterte nachhaltig das Vertrauen in die E-Mail als Kommunikationsmittel. Die verhängnisvolle Botschaft war dabei Virus, Wurm und Trojanisches Pferd in einem.
  • Das Virus des "I Love You"-Briefes löschte Bild- und Tondateien in den Formaten .jpg und .mp3 und verbarg Videodateien im MPEG-Format. Aber nur bei Menschen, die ein bestimmtes E-Mail-Programm von Microsoft benutzten.
  • Das Trojanische Pferd des "I Love You"-Briefes versuchte, eine Web-Seite aufzurufen und von ihr die Datei winbugsfix.exe ins heimische System zu kopieren. Das war ein Programm, das Passworteingaben und andere Einstellungen des Internet Connection Wizard von Microsoft sowie alle Internet-Adressen interner Server an einen Empfänger auf den Philippinen schicken wollte.
  • Der Wurm im "I Love You"-Brief schickte über die E-Mail-Software Microsoft Outlook an jeden Eintrag im Adressbuch eine Kopie seiner selbst. Ein anderer Teil des Skriptes hatte es auf die privaten Besucher von Chatforen abgesehen. Jeder, die die Chatsoftware mIRC benutze, bekam automatisch auch den "I love You"-Brief.
Zeitungen und Multimedia-Firmen verloren ihre Bild-Datenbanken. Warum? Gab es keine Datensicherung? Kein Backup? Tatsächlich dokumentiert die schnelle Verbreitung des "I Love You"-Virus ein derartiges Maß an fehlendem Sicherheitsbewußtsein selbst in großen Firmen und Institutionen, dass die Experten nachgerade verzweifeln.

Die Links innerhalb des Scripts offenbaren drei Pseudonyme von Usern, zum Beispiel: http://www.skyinet.net/~koichi. Auf deren Homepage lag das Programm, das "I Love You" zur Datenspionage verwenden wollte. Seinen Provider verrät uns zum Beispiel die Datenbank Allwhois. Man muß nur skyinet.net in das Suchfenster eingeben und erhält Namen, Adresse und Telefonnummer: Sky Internet,Inc., L/G Victoria I Bldg. 1670 Quezon Ave, Quezon, Ph 1103 8000, +63 2 411-2005. So kommt man auch sicher an deren Kunden mit dem Pseudonym "koichi".

Was kommt sonst noch mit der E-Mail

Die meisten Mail-Programme werfen sofort den Web-Browser an, wenn sich HTML-codierter Text in der E-Mail befindet. Leider ist es eine Unsitte, dass viele Programme als Voreinstellung den Versand von HTML-codierten Dokumenten haben. Damit kann man sich neben den oben genannten Viren auch beispielsweise das folgende einhandeln (original so bei mir eingetroffen):
<BODY>
<P><FONT Color="#100001" FACE="Verdana" SIZE="2">
<B>Hey Du</B><BR><BR>
Am besten sofort anrufen:
<BR>
<B>Tel 0067.710.523
</B><BR>
Total affig!
<BR><BR>
EineÜberraschung von ??
</FONT>
<img src="http://lll.0lo.org/l0/RpC.ddd?a=plate@fhm.edu&b=0067SS" 
  width="0" height="0" border="0">
</P></BODY>
Sobald die E-Mail geöffnet wird, ruft der Bilder-Link (<img src=...) ein Programm namen RpC.ddd auf und gibt ihm die beiden Werte von a (plate@fhm.edu) und b (0067SS) mit. Damit weiß das System des Spammers nicht nur, daß die E-Mail-Adresse gültig ist, sondern sogar wann und von welchem Rechner (IP-Nummer) aus die E-Mail gelesen wurde.

7.2 Was ist eigentlich Spam? Und was bedeutet ECP, EMP, UBE, UCE?

Zunächst eine knappe Erläterung der Abkürzungen:
  • Spam: Belästigende Massennachricht (Mail und News)
  • ECP: Massen-Crossposting (News)
  • EMP: Massenposting aus vielen identischen Einzelpostings bestehend (News)

Wird ein Artikel gleichlautend in übermäßig viele Newsgroups gepostet oder crosspostet, so spricht man im ersten Falle von Spam oder EMP (excessive multiple posting), im zweiten von Velveeta bzw. ECP (excessive cross-posting).

SPAM steht für "Spiced Pork and hAM(*)", so eine Art Preßfleisch, das in Amerika verkauft wird (sieht aus wie Katzenfutter). Es gibt einen Sketch aus Monty Python's Flying Circus, in dem ein Paar in einem Restaurant die Speisekarte vom Kellner vorgelesen bekommt und in jedem Gericht ist SPAM drin, zum Teil sogar mehrfach. Auch in dem Restaurant sitzt eine Gruppe Wikinger, die am Ende des Sketches 'Lovely Spam, wonderful Spam!' singen. Insgesamt kommt in dem Sketch das Wort SPAM ca. 120 mal vor.

(*) Manche Leute behaupten, es steht für Synthetically Produced Artificial Meat.

Bei E-Mail spricht man von:

  • UBE: Unerwünschte Massennachricht (unsolicited bulk E-Mail)
  • UCE: Unerwünschte Werbenachricht (unsolicited commercial E-Mail)

Da UCE zunehmend lästiger wird, sind in letzter Zeit einige Leute auf die Idee gekommen, ihre News-Artikel unter einer falschen Adresse zu posten. Im Body des Artikels finden sich dann meistens Hinweise auf eine gültige Adresse. Diese Methode, sich gegen UCE zu wehren, ist jedoch problematisch. Wird der Domain-Teil der Adresse verändert, kann es passieren, daß diese Adresse trotzdem gültig ist (sogar 'xxx.de', 'nospam.de' oder 'deletethis.de' sind beim DE-NIC registriert. Wird nur der Namens-Teil der Adresse verändert, erhält zumindest der Postmaster einer Fehlermeldung per Mail. Die UCE-Versender bekommen von Fehlermeldungen/Bounces dagegen in der Regel nichts mit, da sie fast nie unter einer gültigen E-Mail-Adresse ihre UCE versenden bzw. keine gültige Rücksendeadresse angegeben haben.

Sinnvoller ist es deshalb, das Problem UCE an der Wurzel zu packen. Dies kann durch das Einrichten von Teergruben oder durch das Filtern von bekannten Spammer-Domains geschehen. Weiter Informationen gibt es bei:

  • http://www.antispam.de http://www.de.spam.abuse.net/ http://www.iks-jena.de/mitarb/lutz/usenet/teergrube.html http://www.stud.uni-hannover.de/news/de.admin.net-abuse.mail.html

  • Spammer wollen mit einfachsten Mitteln Geld verdienen!
    Entweder locken Spammer ihre Opfer mit SPAM-Methoden auf Webseiten, um dort ein bestimmtes Produkt zu verkaufen (z.B. über einen Link zu einem kostenpflichtigen Porno-Angebot oder zu den gefürchteten 0190-Dialern). Oder sie versuchen, eine Website bekannt zu machen, die sich über Werbung finanziert, und auf möglichst viele Besucher angewiesen ist.
  • Spammer versuchen ihren Empfängern zu schaden
    Manchmal versuchen Spammer einfach nur, möglichst viel Datenverkehr zu erzeugen, um E-Mail-Server lahmzulegen, und die Ressourcen von Konkurrenten zu verschwenden. Rechtlich gesehen ist das Versenden von SPAM in den EU-Staaten eine kriminelle Handlung! Die augenblickliche Gesetzeslage sieht zwar theoretisch einen rechtlichen Schutz für die Opfer vor, jedoch dürfte es praktisch äusserst schwierig sein, Spammern bis in die rechtsfreien Untiefen des Internets zu folgen... (in der Regel versuchen Spammer mit effektiven Mittel ihre Herkunft zu verschleiern...)

Die Tricks der Spammer

Um Ihre Opfer zu erreichen, brauchen die Spammer zuerst eine gültige E-Mail-Adresse, an die sie auf verschiedenen Wegen gelangen: