4. Kommandos zur Prozeß- und Systemverwaltung

Bei UNIX muß man Prozessen, die vom Terminal aus gestartet wurden, nicht unbedingt warten, bis der Prozeß terminiert, bis man das nächste Programm starten kann. Der Prozeß kann vielmehr im Hintergrund ablaufen, während sich der Benutzer anderen Arbeiten zuwendet. Mit dem Druckerspooler haben wir schon einen Hintergrundprozeß kennengelernt - wenn auch von spezieller Art.

Jetzt erscheint auch die Notwendigkeit des ps-Kommandos unter anderem Licht - man kann sich so über laufende Hintergrundprozesse informieren. Bei neueren Versionen greift das ps-Kommando nicht mehr auf die Prozeßtabelle des Schedulers zu, sondern es gibt ein Pseudo-Dateisystem /proc, in dem alle Infos über die Prozesse abgelegt sind. In der Regel werden Hintergrundprozesse abgebrochen, wenn sich der Benutzer am Terminal abmeldet (Logoff), denn sie sind ja Kindprozesse des aktuellen Shell-Prozesses. Es gibt jedoch Möglichkeiten, Prozesse auch nach dem Logoff "am Leben" zu erhalten. UNIX kennt recht mächtige Möglichkeiten für Hintergrundprozesse:

  • Der "normale" Hintergrundprozeß
  • Hintergrundprozeß mit reduzierter Priorität
  • Batch-Prozesse (ohne Terminalanbindung)
  • Zeitlich versetzteProzesse (Start zum festgelegten Zeitpunkt)
  • Sich regelmäßigwiederholende Prozesse

4.1 Hintergrundprozesse

Der Start eines Prozesses im Hintergrund erfolgt durch anhängen eines "&" an die Befehlszeile. Alle Kommandoeingaben bleiben wie vorher - auch der Ersetzungsmechanismus der Shell wirkt nach wie vor. Ebenso möglich sind Pipes. Zum Beispiel:

find / -user markus -print &
2354

Es wird die Nummer (PID) des neu erzeugten Prozesses ausgegeben (2354) und die Shell meldet sich sofort wieder mit dem Eingabeprompt. So wie das Kommando oben eingegeben wurde, hat es aber noch einen Nachteil:
Alle Ausgaben von find, auch die Fehlerausgaben, gelangen nach wie vor auf den Bildschirm, was u. U. die Arbeit im Vordergrund empfindlich stört. Durch Ein-/Ausgabeumleitung kann der Hintergrundprozeß zum Schweigen gebracht werden:

find / -user markus -print > liste 2> /dev/null &
2354

Eigenschaften von Hintergrundprozessen:

  • Hintergrundprozesse sind Vordergrundprozessen gleichberechtigt, sie laufen gleich schnell ab.
  • Jedes Programm kann im Hintergrund ablaufen.
  • Die Standardeingabe und -ausgabe ist weiterhin an das Terminal gebunden (Umleitung nötig).
  • Hintergrundprozesse (übrigens auch Vordergrundprozesse) können mit dem kill-Kommando (siehe später) zwangsterminiert werden.
  • Die Shell wartet nicht auf den Hintergrundprozeß, sondern ist sofort wieder eingabebereit.
  • Beim Logoff werden auch alle Hintergrundprozesse gekillt, sofern nicht besondere Maßnahmen getroffen werden.
  • Mit dem ps-Kommado kann man den Status der Prozesse ansehen.

Weitere Kommandos für den Start von Hintergrundprozessen sind:

nice [-increment] Kommando &

Kommando zum Ausführen eines Hintergrundprozesses mit niedrigerer Priorität. increment gibt an, um wieviel die Priorität des Prozesses herabgesetzt werden soll (Voreinstellung: 10). Der Superuser kann Prozesse auch mit höherer Priorität laufen lassen, indem er ein negatives Increment angibt.

nohup Kommando &

(No Hang Up) Dieses Kommando ermöglicht es, einen Prozeß nach dem Logoff weiterlaufen zu lassen. Wenn die Ausgaben nicht explizit umgelenkt wurden, werden Standardausgabe und Standard-Fehlerausgabe in die Datei nohup.out im zuletzt aktuellen Verzeichnis geschrieben. Sollte dies nicht möglich sein (Zugriffsrechte nicht ausreichend), wird nohup.out im Home-Directory des Benutzers angelegt. Bei einigen Anlagen gibt es das Kommando "batch" mit analogen Eigenschaften.

4.2 Löschen von Prozessen

kill [-Signalnummer] Prozeßnummer(n)

Mit diesem Kommando kann der Benutzer eigene Prozesse löschen (auch im Vordergund laufende Prozesse - von einem anderen Terminal aus oder aus einem anderen X-Fenster heraus). Der Superuser kann jeden Prozeß löschen. Dem Prozeß wird das Signal mit der beim kill-Aufruf angegebenen Nummer gesendet (Voreinstellung: 15). Fängt der Prozeß das Signal nicht ab, wird er terminiert.
Über die in der Parameterzeile angegebenen Nnummer(n) werden die Prozeßnummer(n) der zu löschenden Prozesse angegeben. Wird hier eine 0 angegeben, so sind alle Prozesse des Benutzers zu löschen.

Neben anderen können für kill folgende Signalnummern verwendet werden:

0 SIGKILL Terminate (beim Beenden der shell)
1 SIGHUP Hangup (beim Beenden der Verbindung zum Terminal oder Modem)
2 SIGINT Interrupt (wie Ctrl-C-Taste am Terminal)
3 SIGQUIT Abbrechen (Beenden von der Tastatur aus)
9 SIGKILL Kann nicht abgefangen werden - Beendet immer den empfangenden Prozeß
15SIGTERM Terminate (Software-Terminate, Voreinstellung)

Die Datei /usr/include/Signal.h enthält eine Liste aller Signale. Später wird das Kommando "trap" besprochen, mit dem man innerhalb von Shell-Skripts gezielt auf einzelne Signale reagieren kann.

4.3 Kommandos zur Zeitsteuerung

at zeit [datum] [+incr]

at [-rl] [nummer]

Veranlaßt die Ausführung von Kommandos, die über die Standardeingabe eingegeben werden, zu einem angegebenen Zeitpunkt, auch wenn der Benutzer zu diesem Zeitpunkt nicht angemeldet ist. at stützt sich dabei auf das Programm atrun, das in regelmäßigen Zeitabständen gestartet wird (in der Regel alle 5 Minuten). Das Kommando gibt die Auftragsnummer und den Zeitpunkt der Ausführung aus. Die Ausgabe der Kommandos (sofern nicht umgeleitet wurde) wird dem Benutzer per mail-Kommando zugestellt. Die auszuführenden Kommandos werden von der Standardeingabe gelesen (d. h. in den folgenden Zeilen, abgeschlossen mit CTRL-D oder per Eingabeumleitung). Die Benutzung dieses Kommandos kann explizit erlaubt oder verboten werden. Die aktuelle Umgebung wird für die at-Prozesse übernommen. Es gibt zwei besondere Aufrufe:

at -r Auftragsnummer(n) Löscht den genannten Auftrag
at -l [Auftragsnummer(n)] Listet die noch auszuführenden Aufträge

Fehlt bei at -l die Nummer, werden alle Aufträge gelistet.

Optionen:

zeit
Ausführungszeitpunkt in der Form SSMM. Werden nur zwei Ziffern angegeben, sind dies die Stunden. Ist der Zeitpunkt bereits überschritten, erfolgt der Start des Prozesses zum angegebenen Zeitpunkt des nächsten Tages. Für die Zeit sind auch folgende Angaben möglich: "noon" für Mittag, "midnight" für Mitternacht und "now" für "jetzt" (siehe "increment").

datum
Datumsangabe für den Start des Prozesses in der Form "Monat Tag", oder "Monat Tag, Jahr". Für den Monat werden dreibuchstabige Kürzel verwendet: Jan Feb Mar Apr May Jun Jul Aug Sep Oct Nov Dec. Für das Datum können auch die Angaben "today" oder "tomorrow" verwendet werden. Beispiele: "Feb 28", "Oct 15" oder "Feb 28,1991".
incr
Relative Zeitangabe, bestehend aus einer Zahl, gefolgt von einem der Begriffe: "minutes", "hours", "days", "weeks", "years". Um zum Beispiel einen Prozeß in 3 Stunden starten, gibt man an: at now +3 hours

Einschränkung des at-Kommandos

Die Verwendung des Kommandos kann auf einen bestimmten Benutzerkreis eingeschränkt werden. Dazu dienen zwei Dateien, usr/lib/cron/at.allow und usr/lib/cron/at.deny.

  • Existiert nur at.allow, wird nur den dort eingetragenen Benutzern die Verwendung des at-Kommandos erlaubt.
  • Existiert nur at.deny, können alle dort nicht eingetragenen Benutzer das at-Kommando verwenden. Ist die Datei leer, dürfen es alle Benutzer verwenden.
  • Existiert keine der beiden Dateien, darf nur der Superuser das at-Kommando verwenden.

Ein Beispiel für das at-Kommando: Am 1. Oktober um 22 Uhr wird das Ausdrucken einer langen Datei gestartet.

at 2200 Oct 1
lp -m superlangedatei.txt
CTRL-D

job 545900100.a at Tue Oct 1 22:00:00 1991

Mit at -r 545900100.a könnte man den o. g. Job wieder löschen.

crontab [-erl]

Das Crontab-Kommando erstellt bzw. bearbeitet eine Auftragsdatei für den cron-Daemon. Der crond wird nur einmal beim Systemstart aufgerufen. Er prüft in regelmäßigen Abständen (normalerweise jede Minute) den Inhalt der crontab-Dateien, in denen Zeitpunkte für automatisch ablaufende Programme festgelegt sind. Mit dem Kommando crontab kann jeder Benutzer eine crontab-Datei anlegen und ändern (-e), löschen (-r) oder auflisten (-l). Zum Ändern wird der voreingestellte Editor (ed oder vi) gestartet (die Festlegung erfolgt durch die Variable EDITOR). Die Ausgabe der Kommandos, bei denen keine Ausgabeumleitung erfolgte, wird über mail an den Benutzer gesendet.

Format der crontab-Datei:

Jede Zeile der crontab-Datei enthält sechs Felder (durch Leerzeichen getrennt). Die ersten fünf Felder sind eine Zeitangabe, das sechste enthält das auszuführende Kommando. Die fünf Zeit-Felder sind folgendermaßen aufgebaut:

Statt einer expliziten Zahlenangabe sind auch folgende Angaben möglich:

  • Ein Teilbereich, z. B. 1-5
  • Eine durch Komma getrennte Liste, z. B.10,20,30,40,50
  • Ein * (deckt den gesamten Bereich ab)
Einige Beispiele dazu:

0 0 * * * Jeden Tag um Mitternacht
0 9 * * 1Jeden Montag um 9 Uhr
30 10 1 * 1Jeden Monatsersten und jeden Montag um 10 Uhr
30 0,30 8-18 * * *Täglich alle halbe Stunde aber nur zwischen 8 und 18
0,5,10,15,20,25,30,35,40,45,50,55 * * * *Alle 5 Minuten

Wie beim at-Kommando kann auch die Benutzung von crontab für bestimmte Benutzer gesperrt werden. Dazu dienen die Dateien /usr/lib/cron/cron.allow und /usr/lib/cron/cron.deny, bei denen das gleiche Schema angewendet wird, wie es schon beim at-Kommando besprochen wurde.

Die Tabellen (crontabs) stehen je nach UNIX-Variante in /etc/cron.d oder /usr/lib/cron. Beim Erstellen von cron- und at-Jobs sollte man sich nicht darauf verlassen, daß außer ein paar Standardvariablen irgendwelche Voreinstellungen verwendbar sind. Benutzen Sie entweder nur absolute Pfade oder eine explizite Pfad-Definition. Will man keinen Output per E-Mail erhalten, muß der Output (stdout und stderr) umgeleitet werden (Man kann den Job sehr schnell von E-Mail auf Dateiausgabe umstellen, indem man alle Kommandozeilen mit geschweiften Klammern einrahmt und dahinter die Ausgabeumleitung setzt: { .... } > Datei 2>&1). Will man nur wenige Kontrollausgaben erzeugen, lassen sich auch mittels echo >> logfile cron-Jobs loggen. Bei root-cron-Jobs kann dafür auch die allgemeine Logdatei /var/adm/messages (manchmal auch /var/log/messages) verwendet werden.

4.4 Wechsel der Benutzeridentität

Um die Benutzerindentität zu wechseln, ist nicht unbedingt ein Logoff mit nachfolgendem Logon nötig. Speziell der Superuser als Systemverwalter sollte üblicherweise als normaler Benutzer arbeiten und seine Sonderrechte nur dann einsetzen, wenn es nötig ist - schon um bei Fehlern den Schaden einzugrenzen.

su [-] [Name]

(Substitute User) Der Benutzer arbeitet temporär unter einem neuen Benutzernamen. Er muß immer das Paßwort des neuen Benutzerkennzeichens angeben. Fehlt die Namensangabe, wird "root" (Superuser) angenommen (weshalb das Kommando irrtülich oft als "SuperUser" interpretiert wird). Es wird eine neue Shell eröffnet. Zurück zur alten Identität gelangt man durch beenden der Shell mit CTRL-D oder dem Kommando exit. Der Wechsel betrifft nur die effektive UID, die "reale" UID bleibt unverändert, ebenso das aktuellen Verzeichnis, Shell-Variablen, etc. Wird zusätzlich die Option '-' angegeben, dann wird auch die komplette Login-Prozedur (z. B. Ausführen von .profile) durchlaufen.

4.5 Dateisystem einbinden

UNIX erlaubt selbstverständlich die Verwendung mehrere Platten, Bandgeräte, Diskettenlaufwerke, etc., die alle in das Dateisystem eingebunden werden können.
  • Jede Platte enthält ein vollständiges Dateisystem.
  • Die Koppelung erfolgt duch Ersetzen eines vorhandenen Verzeichnisses durch das Dateisystem der eingebundenen Platte (der ursprüngliche Inhalt des Verzeichnisses ist nicht mehr zugänglich).
  • Austauschbare Datenträger dürfen nicht gewechselt werden, solange das Dateisystem dieses Datenträgers eingebunden ist.
  • Das ursprüngliche Dateisystem erweitert sich um die Dateien und Verzeichnisse des neuen Datenträgers.
  • Durch Abmelden wird das Dateisystem wieder aus dem Verzeichnisbaum entfernt.
  • Es lassen sich auch Dateisysteme anderer Rechner einbinden (NFS = Network File System).
  • Dateisysteme, die beim Booten des Rechners eingebunden werden sollen, stehen in der Datei /etc/fstab (oft auch /etc/vfstab).

mount [-a] [Gerätename] [Directory]

Anmelden (Montieren) eines Gerätes (Platte, Band, etc.). Das Directory (Mountpoint) muß als absoluter Pfadname angegeben werden. Ohne Angabe von Parametern erhält man eine Liste der montierten Platten. Die zum Zeitpunkt des Bootvorgangs einzubindenden Dateisysteme (in /etc/fstab (/etc/vfstab) aufgeführt) lassen sich mit mount -a einbinden. Lassen sich diese Systeme nicht automatisch einbinden (z. B. Diskette, Wechselplatte, CD-ROM, usw.), können sie später durch "mount Directory", z. B. mount /cdrom eingebunden werden, ohne daß eine Geräteangabe nötig ist, sofern sie in /etc/fstab aufgeführt sind. Je nach UNIX-Variante hat das mount-Kommando noch weitere Parameter, z. B. den Typ des Dateisystems oder Nur-Lese/Schreibzugriff. So lassen sich auch andere Typen von Dateisysteme "mounten", etwa unter Linux auch MS-DOS- oder Windows-Partitionen.

umount Gerätename

Abmelden einer Platte aus dem Dateisystem. Es darf kein Benutzer oder Prozeß mehr offene Dateien auf dieser Platte haben (am besten einmal 'cd' eingeben, bevor man die Platte abmeldet). Beim Abmelden werden auch alle Dateipuffer auf die Platte geschrieben. Wechseldatenträger (Diskette, Wechselplatte) unbedingt vor dem Herausnehmen abmelden. Übrigens: Das Kommando schreibt sich wirklich 'umount' - ohne 'n' hinter dem 'u'.

Natürlich gibt es noch weitere Kommandos für Dateisysteme, z. B. zum Partitionieren der Platte (bei Linux heißt es "fdisk", bei Sun-OS "format"). Eine neue Platte muß zuerst mit einem Dateisystem versehen ("formatiert") werden. Das Kommando dazu heißt "mkfs". Gebrauch und Parameter muß man der jeweiligen Dokumentation entnehmen. Zum Überpr&uum;fen der Platten gibt es das Kommando "fsck". Es wird normalerweise beim Booten automatisch ausgeführt. Für den Fall des manuellen Aufrufs sollte auch hier die Dokumentation des jeweiligen Systems konsultieren.

Disk-Quotas

Bei einem System mit vielen Benutzern sollte man sich als Administrator überlegen, ob man nicht Disk-Quotas einführt. Einzelne Benutzer können sonst die gesamte Festplatte, oder zumindest die Home-Partition mit Daten füllen und so die Arbeit aller anderen Anwender blockieren. Wenn Sie für das Home-Verzeichnis eine eigene Partition angelegt haben, so läuft das System zwar weiter, aber die User können es nicht mehr wie gewohnt nutzen. UNIX erlaubt Quotas für einzelne Benutzer oder für Gruppen. Die Beschränkungen gelten jeweils für eine einzelne Partition. Gruppenquotas geben die Summe des Speicherplatzes an, den alle Mitglieder dieser Gruppe gemeinsam belegen dürfen. Es lassen sich Obergrenzen für den belegten Plattenplatz und für die Anzahl der Dateien festlegen. Bei beiden Möglichkeiten können Sie zwei unterschiedliche Grenzen setzen:
  • Das Hard-Limit ist eine Grenze, die der Benutzer auf keinen Fall überschreiten kann.
  • das Soft-Limit darf der Benutzer eine bestimmte Zeit lang überschreiten, aber nur bis zum Hard-Limit.

4.6 Weitere Informationskommandos

lsof

Dieses Kommando zeigt geöffnete Dateien, Verzeichnisse, Unixsockets und IP-Sockets (siehe Netzwerk-Kapitel) sowie Pipes an. Mit den passenden Optionen aufgerufen, zeigt es z.B.
  • alle Dateien und Netzverbindungen, die ein bestimmter Prozess geöffnet hat,
  • alle Prozesse, die eine bestimmte Datei oder Netzverbindung geöffnet haben oder
  • die Namen aller Prozesse, die auf eine Netzverbindung warten.
Wenn der User "root" das Kommando ohne Parameter aufruft, zeigt es alles, was von sämtlichen Prozessen geöffnet ist - und das ist eine Menge (oft über 1000 Zeilen):
COMMAND     PID     USER   FD   TYPE     DEVICE     SIZE       NODE NAME
init          1     root  cwd    DIR        3,2     4096          2 /
init          1     root  rtd    DIR        3,2     4096          2 /
init          1     root  txt    REG        3,2    27844    1782394 /sbin/init
init          1     root  mem    REG        3,2    90210     196307 /lib/ld-2.2.5.so
init          1     root  mem    REG        3,2  1153784     196310 /lib/libc-2.2.5.so
init          1     root   10u  FIFO        3,2             2339761 /dev/initctl
keventd       2     root  cwd    DIR        3,2     4096          2 /
keventd       2     root  rtd    DIR        3,2     4096          2 /
keventd       2     root   10u  FIFO        3,2             2339761 /dev/initctl
ksoftirqd     3     root  cwd    DIR        3,2     4096          2 /
ksoftirqd     3     root  rtd    DIR        3,2     4096          2 /
ksoftirqd     3     root   10u  FIFO        3,2             2339761 /dev/initctl
kswapd        4     root  cwd    DIR        3,2     4096          2 /
kswapd        4     root  rtd    DIR        3,2     4096          2 /
kswapd        4     root   10u  FIFO        3,2             2339761 /dev/initctl
bdflush       5     root  cwd    DIR        3,2     4096          2 /
bdflush       5     root  rtd    DIR        3,2     4096          2 /
bdflush       5     root   10u  FIFO        3,2             2339761 /dev/initctl

...

lsof      27430     root    2u   CHR      136,1                   3 /dev/pts/1
lsof      27430     root    3r   DIR        0,3        0          1 /proc
lsof      27430     root    4r   DIR        0,3        0 1797652488 /proc/27430/fd
lsof      27430     root    5w  FIFO        0,6             7473007 pipe
lsof      27430     root    6r  FIFO        0,6             7473008 pipe
lsof      27431     root  cwd    DIR        3,2     4096    3662907 /home/plate
lsof      27431     root  rtd    DIR        3,2     4096          2 /
lsof      27431     root  txt    REG        3,2   108956    1831546 /usr/sbin/lsof
lsof      27431     root  mem    REG        3,2    90210     196307 /lib/ld-2.2.5.so
lsof      27431     root  mem    REG        3,2  1153784     196310 /lib/libc-2.2.5.so
lsof      27431     root    4r  FIFO        0,6             7473007 pipe
lsof      27431     root    7w  FIFO        0,6             7473008 pipe
Mit den passenden Parametern kann man die Ausgabe auf die interessierenden Zeilen eingrenzen. Gibt man mehrere Filterkriterien an, so zeigt lsof diejenigen Zeilen an, die entweder mindestens eine oder (wenn man zusätzlich -a angibt) alle Bedingungen erfüllen.

Parameter Bedeutung
Datei(en) Zugriffe auf diese Datei(en) anzeigen. Beispiel: Wer benutzt gerade bash?
# lsof /bin/bash
COMMAND   PID     USER  FD   TYPE DEVICE   SIZE    NODE NAME
bash    19041 holzmann txt    REG    3,2 511400 2322044 /bin/bash
bash    21620     root txt    REG    3,2 511400 2322044 /bin/bash
bash    26921    plate txt    REG    3,2 511400 2322044 /bin/bash
bash    26937     root txt    REG    3,2 511400 2322044 /bin/bash
+D Verzeichnis Zugriffe auf die Dateien unterhalb des Verzeichnisses anzeigen. Beispiel: Wer arbeitet mit Dateien im /home-Verzeichnis?
# lsof +D /home
COMMAND   PID  USER   FD   TYPE DEVICE SIZE    NODE NAME
bash    26921 plate  cwd    DIR    3,2 4096 3662907 /home/plate
bash    26937  root  cwd    DIR    3,2 4096 3662907 /home/plate
lsof    27890  root  cwd    DIR    3,2 4096 3662907 /home/plate
lsof    27891  root  cwd    DIR    3,2 4096 3662907 /home/plate
+p PIDs Alles anzeigen, was die Prozesse mit diesen PIDs geöffnet haben. Um mehrere PIDs anzugeben, diese mit Komma trennen. Will man die Prozesse namentlich angeben, verwendet man lsof -c [name]. Beispiel: Welche Dateien benötigt meine Shell?
# ps
  PID TTY          TIME CMD
26937 pts/1    00:00:00 bash
27899 pts/1    00:00:00 ps

# lsof +p 26937
COMMAND   PID USER   FD   TYPE DEVICE    SIZE    NODE NAME
bash    26937 root  cwd    DIR    3,2    4096 3662907 /home/plate
bash    26937 root  rtd    DIR    3,2    4096       2 /
bash    26937 root  txt    REG    3,2  511400 2322044 /bin/bash
bash    26937 root  mem    REG    3,2   90210  196307 /lib/ld-2.2.5.so
bash    26937 root  mem    REG    3,2  248132  196280 /lib/libncurses.so.5.2
bash    26937 root  mem    REG    3,2    8008  196313 /lib/libdl-2.2.5.so
bash    26937 root  mem    REG    3,2 1153784  196310 /lib/libc-2.2.5.so
bash    26937 root  mem    REG    3,2   40152  196316 /lib/libnss_compat-2.2.5.so
bash    26937 root  mem    REG    3,2   69472  196315 /lib/libnsl-2.2.5.so
bash    26937 root    0u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
bash    26937 root    1u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
bash    26937 root    2u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
bash    26937 root  255u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
-u user[,user...] Alles anzeigen, was die Prozesse geöffnet haben, die einem der angegebenen Usernamen oder User-ID gehören. Um mehrere User anzugeben, diese mit Komma trennen. Beispiel: Welche Dateien werden zurzeit von Plate benutzt?
# lsof -u plate
COMMAND   PID  USER   FD   TYPE DEVICE    SIZE    NODE NAME
bash    26921 plate  cwd    DIR    3,2    4096 3662907 /home/plate
bash    26921 plate  rtd    DIR    3,2    4096       2 /
bash    26921 plate  txt    REG    3,2  511400 2322044 /bin/bash
bash    26921 plate  mem    REG    3,2   90210  196307 /lib/ld-2.2.5.so
bash    26921 plate  mem    REG    3,2  248132  196280 /lib/libncurses.so.5.2
bash    26921 plate  mem    REG    3,2    8008  196313 /lib/libdl-2.2.5.so
bash    26921 plate  mem    REG    3,2 1153784  196310 /lib/libc-2.2.5.so
bash    26921 plate  mem    REG    3,2   40152  196316 /lib/libnss_compat-2.2.5.so
bash    26921 plate  mem    REG    3,2   69472  196315 /lib/libnsl-2.2.5.so
bash    26921 plate    0u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
bash    26921 plate    1u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
bash    26921 plate    2u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
bash    26921 plate  255u   CHR  136,1               3 /dev/pts/1
...
-i [TCP|UDP][@host][:ports] Die Netzverbindungen des übergebenen Hosts und Ports anzeigen. Dabei kann der Host wahlweise als Hostname oder IP-Adresse und die Ports als Portnummern oder Servicenamen angegeben werden. Um mehrere Ports zu betrachten, kann man Listen (z.B. ssh,www) oder Bereiche (z.B. 1-1024) angeben. Beispiel: Welche Prozesse kommunizieren da auf Port 80 miteinander?
menetekel:/home/plate# lsof -i :80
COMMAND   PID USER   FD   TYPE  DEVICE SIZE NODE NAME
apache  11299 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  26057 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  26960 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  26961 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27026 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27037 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27038 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27383 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27402 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27427 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)
apache  27919 root   18u  IPv4 7063707       TCP *:www (LISTEN)

strace, ltrace

strace schaltet sich zwischen einen Benutzerproze?und den Kernel und protokolliert alle Aktivitäten an dieser Schnittstelle. Wenn der verfolgte Proze?einen Systemaufruf macht, gibt strace den Namen, die Argumente des Aufrufs und den Rückgabewert dieses Systemaufrufs aus. Wenn der verfolgte Proze?ein Signal erhält, gibt strace den Namen des Signals aus.
Falls ein Systemaufruf mit einem Fehler zurückkehrt, wird, wenn vorhanden, die dem Fehlerstatus zugeordnete Fehlermeldung angezeigt. Zeichenketten als Argumente eines Systemaufrufs werden nur bis zu einer bestimmten Länge ausgegeben. Standardmä?g ist dieser Wert auf 32 Zeichen eingestellt. Wenn eine Zeichenkette länger als der eingestellte Wert ist, werden die fehlenden Zeichen durch zwei Punkte angedeutet.

Es ist möglich, einen einzelnen Proze?oder eine ganze Proze?amilie zu verfolgen. Wenn die von einem verfolgten Proze?erzeugten Kindprozesse auch verfolgt werden, setzt die Protokollierung erst ein, nachdem der das Kind erzeugende Systemaufruf zurückkehrt und die Proze?D des Kindes an den Elternproze?zurückgibt. Zu diesem Zeitpunkt kann der Kindproze?bereits Systemaufrufe gemacht haben, die dann nicht protokolliert sind.
Wenn strace zu einem bereits laufenden Proze?hinzugeschaltet wird, können nur solche Kindprozesse verfolgt werden, die nach dem Hinzuschalten erzeugt werden.
Sie können das Protokoll auch in eine Datei schreiben lassen. Wenn Sie die Kinder des verfolgten Prozesses auch verfolgen, werden die Protokolle für die Kindprozesse in separaten Dateien gespeichert, deren Namen mit dem für den Stammproze?gewählten übereinstimmen und auf die Proze?D des jeweiligen Kindes enden. Optionen:

-d
(debug) veranla? strap, zusätzliche Informationen über eigene Systemaufrufe und Signale auf den Standardfehlerkanal zu schreiben
-t
(time) lä? am Anfang jeder Protokollzeile die Zeit (Std:Min:Sec) ausgeben
-f
(follow) veranla? die Verfolgung von Kindprozessen des verfolgten Prozesses
-o datei
veranla? strace, das Protokoll in die Datei zu schreiben
-s länge
verändert die standardmä?g auf 32 Zeichen beschränkte Länge der Ausgabe von Zeichenketten als Argument eines Systemaufrufs
-p prozess-id
schaltet strace zum laufenden Proze?mit der Proze?ummer prozess-id hinzu; ohne Rootprivilegien können Sie nur Ihre eigenen Prozesse verfolgen.

ltrace leistet Ähnliches wie strace in Bezug auf die Verwendung von dynamischen Bibliotheken (Libraries) durch Prozesse.

ldd

Dieses Kommando listet alle Bibliotheken auf, die ein Programm benötigt (also im Gegensatz zu ltrace statisch). Zum Beispiel:
$ ldd /bin/bash
        libncurses.so.5 => /lib/libncurses.so.5 (0x40017000)
        libdl.so.2 => /lib/libdl.so.2 (0x40055000)
        libc.so.6 => /lib/libc.so.6 (0x40059000)
        /lib/ld-linux.so.2 => /lib/ld-linux.so.2 (0x40000000)

uname

gibt Auskunft über Betriebssystem und Hardware. Optionen:
-s
zeigt den Betriebssystemnamen (Voreinstellung, wenn keine Option angegeben wird)
-n
zeigt den Netzwerknamen des Systems
-r
zeigt die Release (Versionsnummer) des Betriebssystems
-v
zeigt das Erstellungsdatum des Betriebssystems
-m
zeigt den Prozessortyp
-a
zeigt alle der oben genannten Daten
Beispiel:
$ uname -a
Linux menetekel 2.4.18-bf2.4 #1 Son Apr 14 09:53:28 CEST 2002 i686 unknown

free

Zeigt die Speicherbelegung an. Zum Beispiel:
$ free
             total       used       free     shared    buffers     cached
Mem:        512960     506016       6944          0      51296     387396
-/+ buffers/cache:      67324     445636
Swap:       497972       1740     496232

uptime

Zeigt die Zeit seit dem letzten reboot und die aktuelle Last an, z. B.:
$ uptime
 17:09:18 up 143 days, 59 min,  3 users,  load average: 0.07, 0.07, 0.07

Weitere Informationskommandos unter Linux

Neben dem /proc-Verzeichnis, das u.a. viele Informationen über die Hardware enthält, finden sich unter Linux noch die folgenden Kommandos:
  • dmesg listet alle Boot-Meldungen auf.
  • lspci informiert über den PCI-Bus.
  • lsusb informiert über die USB-Schnittstelle.
  • lsmod listet alle geladenen Kernel-Module auf.
  • pstree zeigt alle Prozesse als Baumstruktur an.

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      Copyright © FH München, FB 04, Prof. Jürgen Plate
      Letzte Aktualisierung: 16. Oct 2004